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Blankensee: Sand im Kamm, der Bunte Markt und die Doppel-Bärchen

Mit einem Mal ist es so, als wär’s nie anders gewesen – am Boden, im Buschwerk und in den Baumkronen ist es füllig grün, Gräser wogen im Wind und überall wo Platz ist zirpen die Grillen. Das Grün ist dieses ganz frisch gewachsene, welches in seiner Anfangsphase das Licht im Wald ein wenig flirren lässt, die Gräser waren vor ein paar Tagen noch nicht mal zu erahnen und die Grillen agieren schon derart souverän, als ginge nächsten Montag der Sommer in die Spur.

Ausdruckstanz auf dem Kamm der Glauer Berge

Eine Farbe der Maientage ist ganz klar das Gelb, das sich mit den großzügig verstreuten Butterblumen dotterkräftig ins saftige Gras mischt oder licht und flächig mit den Rapsflächen das Blickfeld ausfüllt und dabei nahezu unfotografierbar ist. Der etwas neonspröde und zugleich tiefgesättigte Gelbton scheint auch fortgeschrittene Sensoren auszutricksen und möchte am liebsten im Original und also unter freiem Himmel bestaunt werden.

Rastplatz auf dem Fuchsberg

Während Nase und Auge mit dem Wahrnehmen kaum hinterherkommen, gibt es auch für die Ohren schon erhoffte Neuzugänge, die alle klingen, als wären sie gesegnet mit Humor. Der Kuckuck, wohl der Vogel mit dem unverhandelbarsten Wiedererkennungswert, bringt allein durch seine beharrliche Variantenfreiheit die Mundwinkel etwas nach oben oder lässt für einen Augenblick an unbeschwerte Kindertage denken. Ist eben noch hier, gleich darauf dort und tönt einem fünf Sekunden später direkt vom nächsten Baum ins Ohr.

Lindenhof in der Friedensstadt Weißenberg

Zu den regelrechten Spaßvögeln und Plaudertaschen gehört hoch im Wipfelwald der gelbe Pirol mit seinem Gedudel aus schnell gespielten Versatzstücken des Freejazz. Drunten im Schilfgürtel märkischer Seen findet er einen Partner auf narrativer Augenhöhe mit dem Drosselrohrsänger, der auf verschmitzte Weise plaudert, schimpft und berichtet und für den Zuhörer meist mit dem Duft von offenem Wasser und Schilfgeraschel verbunden sein wird. Die Schwalben sind zwar schon eine Weile da, verhalten sich fürs Erste aber noch still. Und die Mauersegler lassen auf sich warten.

Pfad am Wildgehege Glauer Tal

Davon abgesehen ist Anfang Mai für viele Menschen eine Zeit fürs Gedenken, das Gedenken an die Toten, die in einem unfassbaren Krieg umkamen. Ein Krieg, so unvorstellbar, dass er selbst durch die vielen vorhandenen Bild- und Filmdokumente für Nachkriegsgenerationen nicht an Abstraktheit verliert. Hierzulande fand er an einem 8. Mai sein amtliches Ende.

Weitgehend losgelöst von den Nationalitäten der Gefallenen, Ermordeten und Umgekommenen besuchen in diesen Tagen traditionell viele Menschen verschiedenste Orte und Stätten, die an diese Ereignisse erinnern. In diesem Jahr ist das mit Spannungen unberechenbarer Art verbunden, Gedenken und Ruhe werden nur bedingt zusammen gehen.

Achtbeiner am Naturparkzentrum Glauer Tal

Wer sich trotzdem nicht völlig rausnehmen möchte, kann rund um Berlin oder auch in der Stadt selbst verschiedenste Orte finden, die klein und entlegen sind und dieselbe Art von Gedenken ermöglichen. Einer davon ist die Friedensstadt am Fuß der Glauer Berge, die vor gut 100 Jahren gebaut wurde, bereits nach 15 Jahren in missbräuchliche Nutzung geriet und deren Bild dann fast sechzig Jahre von militärischen Uniformen bestimmt wurde. Erst Mitte der Neunziger Jahre ließ sich wieder an die ursprünglichen Ideen des Gründers anknüpfen.

Friedensstadt Weißenberg

Das Ortsbild versteckt keine der Riefen der Geschichte. An den vielen Stellen, wo sicherlich jedem zweiten Besucher eine Frage erwächst, steht meist ein paar Meter weiter eine kleine Schautafel, die informativ, anschaulich und ohne schlauen Zeigefinder die geraffte Antwort liefert. Auf den ersten Blick oder bei bloßer Durchfahrt wirkt die Siedlung spröde und abweisend, doch ein Rundgang ist lohnend. An fast jeder nächsten Ecke ergibt sich ein neuer Kontrast, viele Orte strahlen Friedlichkeit aus. Werdendes steht neben Vergehendem, staubige Brachen grenzen an hübsch gestaltete Parkstreifen oder fantasievoll bunte, zaunlose Hintergärten.

Dorfmitte von Blankensee

Davon losgelöst kann man auch den Mai als Monat feiern, insbesondere nach den sechs Monaten mehr oder weniger Kälte und Frieren, und so lässt sich der Besuch der besonderen Siedlung in eine besondere Runde einbinden. Vier Orte liegen auf dieser Tour, die jeder einzeln schon als Ausflugsziel taugen würden und allesamt grundverschieden sind. Mit dabei sind einige Höhenmeter samt Bergkamm und Gipfelkreuz sowie eine ganze Reihe zauberhafter Pfade, die uns zum Teil der Zufall in die Karten spielte.

Nieplitz im Schlosspark Blankensee

Blankensee

Der sagenhafte Dorfladen wurde schon in einem früheren Dezember besungen, und er hätte es auch heute wieder verdient. Wer hier sitzt, fühlt sich wie im Urlaub. Kreuzung, Häuser und Geschehen wirken ein wenig wie in einem Dorf im Hinterland der Ostseeküste. Blankensee als Dorf scheint zusammengebaut aus einem gut bestückten Premium-Dörfer-Baukasten, der Grundriss ist unregelmäßig und keine Ecke gleicht einer anderen. Es gibt verschiedene Gastronomie, einen Feuerwehrturm mit Besuchertoilette und einen Imkerladen mit schickem Automaten. Hier kann man sich auch nach Ladenschluss verschiedenste Sorten Honig oder auch eine Tüte Honig-Doppelbärchen ziehen, die in ausgewogener Mischung fruchtig und nach Honig duften.

Aufstieg zum Kamm der Glauer Berge

Der Dorfladen ist legendär, das Café Fritz gehört dazu. Vorn an der Ladentür geht es zwischen spontanen Ruhephasen hoch her, Einheimische wechseln mit trödeligen Spaziergängern oder Radlern verschiedener Tempo-Klassen. Während auf den umgebenden Straßen die maierwachten Biker ihre Ringmuskulatur auf dem Tank ablegen und ihren urigen Gasthof im Walde ansteuern, haben hier weitaus ältere Radsport-Herren ihre drahtigen Gliedmaßen in synthetische Pellen verpackt, deren Farbkombinationen teils sehr laut fürs Auge sind. Unklar bleibt oftmals auch, was jetzt eingesetztes Polster ist und was nicht.

Kammpfad mit Flieder

Auf jeden Fall haben sich alle einen guten Appetit angeradelt und lassen den Füllstand der Theke rasch sinken – belegte Brötchen, Kuchenstücke und Schmalzstullen gehen gut weg. Manche Frohnatur spickt den Prozess mit einem originellen Spruch, den wohl jeder im Raum schon öfters gehört hat. Wem all das alles doch zu trubelig ist, der kann sich hinten in den Hof verkrümeln oder noch eine Pforte weiter in den idyllischen Wiesengarten, der saftig grün ist vom jüngsten Schauer.

Dünenrücken der Glauer Berge

Wir wollen nichts verpassen von dieser herrlichen Atmosphäre vor dem Laden und finden einen freien Tisch. Sitzen gut und plaudern, die Unterhaltung stimmt, und so verlängern wir um eine zweite Tasse. Vielleicht auch, weil der Aufstieg zum Bergkamm gleich bevorsteht. Holen noch ein Kuchenstück für die verdiente Rast am Gipfelkreuz, bevor endlich die Loslösung erfolgt, schweren Herzens. Und voller Neugier auf die ganzen kaum bekannten Stationen dieser Runde.

Am Anfang steht die Nieplitz, von deren Brücke sich eine pittoreske Vorschau auf den hochherrschaftlichen Abschluss der Runde ergibt – ein ansehnlicher weißer Parksteg, der sich mit noblem Spiegelbild über den Fluss krümmt. Im benachbarten Park steht ein Bauwerk von angenehmer Dekadenz, wohl nur dafür geschaffen, nach dem Erklimmen einer Stiege recht herrschaftlich von oben in den Park hinabschauen zu können.

Wiese auf den Glauer Bergen

Glauer Berge

Nach kurzem Verfransen in den bunten Nieplitzwiesen beginnt direkt an der Landstraße der Aufstieg, der nicht lange fackelt. Der Höhenrücken verleugnet nicht seine Dünenständigkeit, je weiter man an Höhe gewinnt, desto flächiger zeigt sich der Sandrücken. Immer schmaler wird der Weg, bis schließlich auf dem Kamm nur noch ein hinreißender Pfad übrig ist, der hakenschlagend und teils gitterhaft ausfransend seinen Weg nach Osten geht. Untypisch, erstaunlich und sehr passend für diese Woche im Jahr ist das reiche Vorkommen von Fliederbüschen hier auf der sandigen Höhe. Kleine gelbe Blütensterne kontrastieren schön dazu, dazwischen liegt der Weg.

Aussicht zum Blankensee

Der geht dann wieder in die Breite, in voller Sandigkeit und durchzogen von knorrigen Wurzelarmen, und streift eine größere Fläche offener Düne. Dahinter schwindet kurz die Klarheit, wo der Fontane-Weg nun geblieben ist, ungewollter bzw. verfrühter Höhenverlust droht. Doch bald ist die Markierung wieder da und ein späterer Zufallspfad erlaubt sogar eine sinnvolle Abkürzung, die einen in Kauf genommenen Höhenverlust vermeidet.

Aussichtsbank am Fuchsberg

Fuchsberg

So gelangen wir vorbei an markanten Geländescharten, die ähnlich prägnant ausfallen wie bachgeschaffene Nebentäler, fast direkt zum großen Wegweiser auf einer Trockenwiese, über der die Wolken mittlerweile sehr plastisch den blauen Himmel bevölkern. Gleich um die Ecke liegt nun ein herrlicher Aussichtspunkt, mit Rastraufe und Gipfelkreuz. Der Panoramablick reicht über den benachbarten Löwenberg, gut erkennbar am Aussichtsturm, über den glitzernden Blankensee bis weit ins Land und über die offenen und bewaldeten Weiten der Nuthe-Nieplitz-Niederung. Ganz im Westen ist bei guter Sicht eine ferne Höhe auszumachen.

Stüfchen unweit des großen Wegweiser, Glauer Berge

Friedensstadt Weißenberg

Der sanfte Abstieg verläuft über einen Wiesenweg, umrundet dann die Tier- und Pflanzenwarte und erreicht die Friedensstadt über eine abenteuerliche Treppe, die einst zum riesigen Terrassen-Café gehörte. Unten bei den Häusern herrscht buntes Treiben, aus einem Findlingsblock sprudelt Wasser, dicht drum herum hocken kommunikative Bänke. Über all dem steht am Giebel ein ausführliches Zitat von Herrn Weißenberg, dem visionären Initiator der Friedensstadt und Gründer der Johannischen Kirche, die sowohl hier als auch bei Blankensee eine Rolle spielt.

Tiergehege am Abstieg

Die Siedlung ist wie beschrieben eindrucksvoll uneinheitlich, hier und da sind noch gut die Grundstrukturen zu erkennen, insbesondere am angerähnlichen Lindenhof, der hier mit seinen Siedlungshäusern wie ein eigenes kleines Dorf wirkt. Viele bunt gemischte Kinder sind zu zweit oder in Trupps unterwegs beim Spielen und schlitternden Staubaufwirbeln, Wettrennen und Fangen oder beim gemeinsamen Bestimmen, wer das nächste Spiel bestimmt. Begegnen uns immer wieder, an den allen möglichen Ecken der vielfach verschränkten Siedlung, Wald, Wiese, Kieshaufen. Es ist hinreißend und echt, fast wie ein Bild aus der eigenen Kindheit, wo Strom keinerlei Rolle spielte oder man ihn allenfalls für die kleine Taschenlampe in der Hosentasche brauchte. Wo die Eltern derweil sind, klärt sich schon bald.

Vergehendes Terrassenlokal über der Friedensstadt Weißenberg

Der Staub wurde eben erwähnt, da ist es nicht weit zum Durst. Vorhin sahen wir einen schönen Pavillon mit Biergarten, die Läden hochgeklappt. Doch obwohl die Spülbecken gefüllt sind und die Gläser frisch tropfen, gibt es hier nichts für die Kehle, erst nächste Woche beginnt die Saison, für die gerade alles klargemacht wird. Doch wenigstens einen Hinweis, da lang, noch vorbei an der Ladenzeile, da is schon zu, und noch hinterm Café Tassé in der Markthalle, die is bis dreie offen, da könnse sich was rausholen. Markthalle, echt?

Giebelschrift am Frieda-Müller-Haus

Bunter Markt

Unterwegs treffen wir noch auf einen weiteren Trupp Kinder, die sich allesamt im ausladenden Unterrock einer riesigen Konifere ihre Höhle erfunden haben und einander Geflüstertes zuraunen. Hinter der nächsten Wiese steht schon die Markthalle, die wahrhaftig so heißt und noch weit mehr so ist, als wir uns hätten vorstellen können. Gut, dass der Kiosk noch nicht offen war, sonst wären wir hier womöglich vorbeigelaufen.

Siedlungshäuser am Lindenhof, Friedensstadt Weißenberg

Drinnen sind zich Stände aufgebaut, von Handwerk, Kunst und Handarbeit über Kitsch und Antikes bis zu schönstem Trödel, natürlich auch Verschiedenes zum Sattwerden und Durstlöschen. Die Atmosphäre ist herrlich, es ist gut gefüllt und Bunter Markt ist tatsächlich der passende Begriff. Beim Hinterausgang gibt es auch noch einen Grillstand und sogar kleine Livemusik. Einmal im Monat findet das hier statt, und wenn uns heute auch die Muße fehlt, ist einer der nächsten Termine gesetzt für den ausführlichen Besuch, der sicherlich mit zwei vollen Beuteln enden wird und die Sorge um herzige Weihnachtsgeschenke in Luft auflöst. Wer schon einmal den Weihnachtsmarkt der Johannischen Kirche in Blankensee besucht hat – so ähnlich kann man sich das vorstellen, nur eben ohne Schal und Handschuh.

Ladenzeile am Festplatz, Friedensstadt Weißenberg

Eine staubige Brache später folgt das nächste faszinierende Gebäude, weder Ruine noch verfallend, irgendwie zwischen allem. Vom etwas erhöhten Weg fällt der Blick hinab in die Niederung, wo eine kleine Tribüne über einen großen Sportplatz wacht. Es dürfte spannend sein, dieses Ort hin und wieder aufzusuchen und jeweils auf die Pirsch zu gehen nach Stellen, wo sich was verändert hat.

Parkweg zur Markthalle

Unterhalb des Hanges der Glauer Berge ist es vielleicht eine Viertelstunde bis zum Friedhof, der nicht nur seiner Fachwerk-Kapelle wegen eine besondere Wirkung ausstrahlt. Den Lehren der Johannischen Kirche folgend sieht hier jeder Grabstein aus wie der daneben, wie ein Ruhekissen in aufgeklopfter Echtgröße. Weiter hinten gibt es noch eine Wiese mit Holzkreuzen, unter denen vielleicht auch die polnischen Zwangsarbeiter ruhen, die hier in der NS-Zeit ihren Tod fanden. Auf dem Friedhof ist richtig Betrieb, überall wird gehackt und gefegt und gejätet, viele sitzen auch einfach gemeinsam auf dem Boden und erzählen miteinander.

Friedhof der Johanneschen Kirche bei Glau

Glau

Auf dem Weg nach Glau fallen die ersten Tropfen, das ist jetzt wohltuend und nimmt den Staub etwas aus der Luft. Rechts des Weges steht ein kleines Dreigestüf, um ohne Peinlichkeiten auf einen Pferderücken zu gelangen, links dahinter folgt ein winziger Friedhof mit ehrwürdigen Familiengräbern an der rechten Seite. Kurz darauf stehen wir vor der Dorfaue, die mit ihrem halben Rundling und den großen abgerundeten Toren daran erinnert, dass man im Fläming ist.

Dorfaue im Dorf Glau

Das Dorf liegt im Glauer Tal, aus dem es jetzt wieder einige Höhenmeter hinauf geht. Der Wald ist übervoll von Maigrün mit kleinen gelben Punkten links und rechts des Weges. Es duftet süß und aromatisch, auch wenn nirgendwo Waldmeister zu entdecken ist, dann noch lieblich, und bald zeigen sich kleine Felder blühender Maiglöckchen als Erklärung. Waldstücken wechseln mit Feldern und Wiesen, hier und dort liegen frischgefallene Pferdeäpfel, die hier unbedingt hingehören. Bald ist weiter vorn auch der passende Hintern zu sehen, bevor er im nächsten Wald verschwindet.

Glauer Tal am Ravensberg

Am Fuß des Ravensberges, dessen Gipfel wir umgangen haben, beginnt nun die flache Niederung des Glauer Tals, die sich entlang des Faulen Grabens bis nach Glau zieht. Eine andere Welt, mit weitem Blick zum betürmten Löwenberg und das Tal hinab in Richtung Blankensee. Entlang des Plattenweges gibt es einen Wassergraben, dahinter dichtes struppiges Buschgebäum, dessen Stämmchen dem Anschein nach alle im Wasser stehen.

Bald nach dem Einsetzen des nächsten Niesels verdichtet sich dieser zu einem richtigen Regen. Kiefern halten einiges ab, und so stellen wir uns ein Weilchen unter und holen die abhanden gekommene zweite Rast notdürftig im Stehen nach, während es draußen kühler wird und würzig duftet von überall her. Zwei Autos passieren derweil, ohne Staub aufzuwirbeln.

Birkenwald im Wildgehege

Wildgehege Glauer Tal

Hinter dem nächsten Wäldchen sind Kinderstimmen und zugehörige Familiengeräusche zu hören, kurz darauf sehen wir auch schon eine Rastraufe und den filigranen Zaun, der das große Wildgehege umgibt. Stattliche Hirsche in Rot und Dam soll es hier geben, auch Muffelwild, das ja durch die Schönower Heide als Großmeister im Verstecken bekannt ist. Damwild können wir später kurz sichten, darunter zwischen den Birkenstämmen auch eins in weiß, sodass bis zuletzt ein kleines Fragezeichen bleibt.

Nach dem ersten Zaunkontakt verfransen wir uns kurz, den alten Weg gibt es nicht mehr, doch wenn man vom Raufeblick einfach dem Zaun folgt, kommt man ohne ziepende Ästchen und eingezogenen Kopf auf einen der schönsten Pfade weit und breit. Die liegengebliebene Klappbrücke irgendeiner Armee reicht hier noch über ein austrocknendes Fließ, bevor dieses zauberhafte Stück Weges beginnt. Erst öffnet sich der Blick über eine saftige Wiese, die voll ist von pludrigen Butterblumen, dann geht es als Gasse durchs Buschwerk. Links begleitet den Weg eine lange Reihe von Bäumen.

Pfad zum Naturparkzentrum

Hinter dem feuchten Teil  der Wiese grasen Kühe auf viel Platz, weiter hinten stehen andere knöcheltief im Stroh oder haben ihren Kopf schon in eine Strohrolle hineingefuttert. Zwischen beiden Lagern rennt und karjohlt mit der Energie eines kleinen Kindes ein Kälbchen, im unregelmäßigen Hopserlauf und hochvergnügt. Ein Gleichaltriges versucht mitzuhalten und schafft es eine Weile, doch dreht irgendwann ab und holt sich etwas Kuhwärme von der Mutter.

Abendbrot unweit von Glau

Naturparkzentrum am Wildgehege Glauer Tal

Nach etwas Straße geht es am Parkplatz auf schönen Pfaden mit allerlei Stationen und Tafeln in ein verspieltes Gelände mit großen Wiesen, einem weiten Schafgatter sowie der schönsten Riesenspinne, die man je gesehen hat. Sie hockt über einem Netz zwischen den Hügeln der Spielplätze und sieht zwar eindrucksvoll, doch gar nicht angsteinflößend aus, sodass man ihr auch als Spinnenvermeider gern näherkommt.

Hinterm Schafgehege ist eine kleine Arena aus Strohrollen aufgebaut, in der man herrlich herumklettern, toben und springen kann, ohne dass sich irgendwer um irgendwas Sorgen machen muss. Das Stroh am Boden ist so dick, dass man weich einsinkt, doch nicht bis zum Boden kommt, ein herrliches Gefühl. Und damit verbunden die seltene Option, sich einfach mal an Ort und Stelle umplumpsen zu lassen.

Spielpark beim Naturparkzentrum Glauer Tal

Gerade noch freut sich ein Bengel über die Effekte selbst gepumpten Wassers in den Rinnen des Wasserspielplatzes und ruft seinen Kumpel zum Mitstaunen und schaumalwasichhierundso, da fängt es richtig an zu pladdern. Wir werfen noch einen kurzen Blick ins verglaste Naturparkzentrum, wo sich die Wärme des Tages gesammelt hat. Für den Nachmittagskaffee ist es leider zu spät. Auf frischem, hellen Holzmulch verlassen wir das Gelände durch wasserreichen, üppig grünen Wald.

Auf dem Weg zum Wildgehege haben sich Pfützen gebildet. Ein drittes Mal geht es über den Faulen Graben, bevor dann ein gemütlicher Alleeweg unterhalb des kaum wahrnehmbaren Mühlenberges auf Blankensee zuführt. Trotz des anhaltenden Regens ist dieser von der sinkenden Sonne warm durchleuchtet. Zu beiden Seiten steht das Korn schon fast kniehoch, das ging jetzt schnell. Vorhin gab es sogar schon den würzigen-kräuterigen Duft einer ersten Wiesenmahd.

Weg nach Blankensee

Blankensee

Einmal schräg über die Straße bietet sich überraschend ein kleiner Schleichweg an, der nun über Wiesen- und Waldpfade direkt zur Seepromenade verbindet. Rechts liegen unter schweren Wolken weite Wiesen, bis hin zum nächsten Schilfgürtel. Erwartungsgemäß wird es jetzt hier recht voll, denn selbst lauffaule Besucher von Blankensee werden den bekannten Holzsteg überm See aufsuchen, auch wenn der bald mal etwas Zuwendung bräuchte.

Blankensee mit Wetterwolken

Vorn auf der einzelstehenden Aussichtsbank am See haben sich zwei Mädels eingerichtet, genießen lose plaudernd das Schauspiel von ölig glitzerndem See unter dramatisch aufgebautem Wolkenhimmel, während unten Schwäne ihre aufwändigen Starts hinlegen, ganz oben die Kraniche mit der Thermik spielen und eine Ecke weiter scharenweise Gänse und Enten versuchen, die Sprachbarriere zu überwinden.

Auf dem Steg haben sich Vogelkieker versammelt, mit kleiner und größerer Optik. Die mit den ganz großen Rohren saßen heute zu Beginn des Tages beim Dorfladen am Nebentisch und plansimpelten über den Verlauf des Tages und die erhoffte Ausbeute, die sind hier schon längst durch und jetzt an irgendeinem wenig bekannten Platz mit vielen Vögeln und noch mehr Abendstimmung.

Uferweg an der Nieplitz zum Schlosspark

Dann gibt es noch die akademischen Betrachter mit hohen Brauen über beflissenen Augen, dabei den Kopf im selbstbestätigenden, weichen Nicken, natürlich auch die Heranwachsenden im schwierigen Alter, die mitmussten, auch wenn der Steg kein Welahn hat, und schließlich die geduldigen Genießer, die ein paar Minuten oder eine Viertelstunde auf ihre Bank gelauert haben und jetzt ihren verdienten Platz genießen. Die Stimmung ist friedlich, die Menschen nicht lauter als die Vögel auf dem See oder das Rauschen des Windes im griffnahen Schilf.

Brücklein im Schlosspark Blankensee

Noch vor der Brücke über die Nieplitz beginnt ein Uferpfad, der perfekt zur letzten Viertelstunde passt. Links eilt das gerade ein wenig hinabgestürzte Flüsschen vorbei, rechts liegen Teiche mit breiten Schilfgürteln, und über den Weg hängen wie gewachsene Vorhänge die Äste von Weiden. Wäre die Tageskraft nicht schon am Ende, würde man diesen Weg vermutlich noch ewig in die Länge ziehen. Links in den Wiesen sind große Teppiche schlohweißer Blümchen zu sehen.

Hinterm Bruch geht es nun links durch den Schlosspark, der klein, fein und verspielt ist. Auch wenn es vielleicht nur fünf Brücklein sind, scheinen bei jedem Blickschwenk immer neue hinzuzukommen. Ein herrschaftliches Portal entlässt aus dem Park. Direkt dahinter sollte man unbedingt ein paar Schritte nach links gehen, denn hier ist der erwähnte Bienenladen. Selbst wenn geschlossen ist – der Honig-Automat hat rund um die Uhr geöffnet, vermutlich sogar an jedem Tag des Dezembers.

Imkerladen mit Allzeit-Automat

Sollte man also wirklich einmal in eine Honig-Not geraten, ganz gleich ob un- oder verschuldet, und keinerlei Aufwand scheuen wollen, finden sich hier zu jeder Zeit Lösungen. Die Doppel-Bärchen übrigens, die man hier auch bekommt, sind immer Hand in Hand bzw. Tatz in Tatz und taugen damit gut als Botschafter des Friedens. Vielleicht sollte man sie einmal pauschal in alle Hauptstädte der Erde verschicken.












Anfahrt ÖPNV (von Berlin):
Regionalbahn von Berlin-Hbf. oder -Südkreuz nach Trebbin, dann Rufbus Kranich Express (ca. 0,75-1 Std.)

Anfahrt Pkw (von Berlin): B 101 über Berlin-Marienfelde und Trebbin (ca. 1-1,5 Std.)

Länge der Tour: ca. 17,5 km (Abkürzungen gut möglich)


Download der Wegpunkte
(mit rechter Maustaste anklicken/Speichern unter …)

Links:

Informationen zu Blankensee

Faltblatt Glauer Berge (PDF)

Friedensstadt Weißenberg

Glauer Tal – Wildgehege

Naturparkzentrum Glauer Tal

Einkehr: div. Möglichkeiten in Blankensee
div. (Imbiss-)Möglichkeiten in der Friedensstadt
Kleines Café im Naturparkzentrum

Althüttendorf: Blattgold, zwei Portale und die Berge im Tal

Das bisherige Jahr war lang, mit all seinen Eigenartigkeiten – und ist gleichzeitig einfach so vorbeigerannt. Dabei waren alle Jahreszeiten mit einem guten Maß an Normalität ausgestattet. Davon abgesehen blieb es erstaunlich lange kalt, manche Mütze hatte bis in den späten Mai noch ihren Dienst zu verrichten. Zwischendurch gab es immer mal wieder brauchbare Mengen von Regen, sodass die Bäume in Stadt und Land ein wenig durchatmen konnten.

Kurz hinter Althüttendorf

So wie der Winter schneereich, der Lenz frühlingshaft und der Sommer badefreundlich waren, gibt sich nun auch der Herbst. Die schönen Seiten mit den Düften und Farben, blühenden Heiden und üppig behängten Obstbäumen standen schon Ende August in den Startblöcken und gehen derzeit dem großen bunten Finale entgegen. Danach beginnt für viele Gemüter der große Katzenjammer des grauen, klammen und dunklen Novembers. Für andere hingegen setzt sich die schönste Zeit des Jahres fort, mit weniger gesättigten Farben, dafür mit Mehraufwand an der Garderobe, denn mit rein in die Schuhe und Jacke an ist es nun nicht mehr getan.

Südliches Portal zu den Ihlowbergen

Wem es an gut beworbenen oder allseits bekannten Touristenzielen während der hellen Monate zu voll ist, dem öffnen sich jetzt all diese Türen für fast privaten Genuss. Freilich mit dem Preis, dass vieles nicht mehr offen hat, es also rundum etwas stiller ist. Doch dafür hat man speziell in den letzten anderthalb Jahren griffige Strategien entwickelt, um den Tag am Ende nicht hungrig zu verlassen. Durch Nutzung mitgebrachter Teller und Besteckteile lässt sich auch ein riesiger Spreewald-Döner stilvoll und ohne größere Fallverluste in der romantischen Atmosphäre eines Kahnhafens verschmausen, dem die schwindende Sonne die Lichter anknipst. Das laute und teils polternde Geschnatter der Tagestouristen wird durch das zurückgenommene der vorwinterlichen Enten ersetzt, die wie all Vogeltiere etwas leiser gestellt sind.

Am Rand der Kiesgrube

Wer die oppulente Farbsause der Laubwälder genießen will, ohne dafür gleich ein Ticket zur Ostsee zu lösen, erhält eine außerordentliche Darbietung schon im Grumsiner Forst, der seit einiger Zeit als ausgedehnter Buchenwald bekannt ist. Der große und recht ursprüngliche Wald, der gerade auf dem Weg zurück zum Urwald ist, liegt zwischen Joachimsthal und Angermünde und ist per Bahn gut über letzteres zu erreichen. Will man übrigens unterwegs gern Wissenswertes zum Welterbe-Wald und seinen Besonderheiten erfahren, gibt es von Zeit zu Zeit geführte Touren beim dafür zertifizierten Wanderjenossen, einem thematisch benachbarten Blog.

Blick in den Tagebau

Althüttendorf

Wer schon einmal den großen Grimnitzsee umrundet hat, ist dabei durch Althüttendorf gekommen, das je nach Windrichtung im akustischen Schatten der nahen Autobahn liegt und dessen Dorfbild unabhängig davon eine beständige Verträumtheit zeigt. Dabei blieben vielleicht die Wanderkirche und der hoch überm See gelegene Friedhof mit der mächtigen alten Eiche im Gedächtnis hängen, bei jüngeren Besuchen vielleicht auch die drei ehrfurchtgebietenden Damen am kirchnahen Dorfplatz. Die werden dort als Nornen bezeichnet und heißen damit ähnlich sonderbar wie sie aussehen.

Am Ufer des Großen Schwarzen Sees

Von Althüttendorf lässt sich eine facettenreiche Runde zum Grumsin schlagen, die eine Reihe besonderer Orte berührt. Der Name der Straße, auf der das Dorf durch ein steinernes Portal verlassen wird, übernimmt eine Vorschaufunktion, denn ihr Verlauf führt ohne weiteres Abbiegen Zu den Ihlowbergen. Der Weg dorthin überquert zunächst die Autobahn, wobei man gleich noch einmal tiefer durchatmen und sich freuen kann, dass für die nächsten Stunden keine Eile und kein Blick auf die Uhr den Tag bestimmt.

Tummelplatz bei Sperlingsherberge

Bei entsprechender Windrichtung dauert es zwar eine ganze Weile, bis man von den hochdrehenden Motoren im Viersekundentakt nichts mehr hört, doch im Blick kehrt schon vorher ausreichend Ruhe ein, denn die leicht hügelige Landschaft strahlt tiefen Frieden aus. Ohnehin bleibt über die gesamte Zeit der Eindruck, sich durch eine mit ungeheurem Budget gestaltete Parklandschaft zu bewegen, wird ein Titelbild natursinniger Lifestyle-Zeitschriften nach dem anderen durchgewinkt. Für gewisse Euphorie in der Wahrnehmung sorgen zahllose Formationen von Gänsen, die gerade hoch am Himmel ihre Entscheidung für die nächsten Monate treffen.

Grimnitzsee in der frühen Abenddämmerung

Die mehr und mehr überwachsene Pflasterstraße schwingt sich, vorbei am Langen Berg mit seinem schlichten Funkturm, durch Alleeränder mit Buschwerk und verschieden alten Bäumen, umrundet dabei eine große Weide mit wohlplatzierten Hute- und Einzelbäumen und gewinnt in einer sanften Hohlgasse an Höhe. Der Abzweig zu den Ihlowbergen verwundert insofern, als dass es nach unten geht und auch dort bleibt. Dass dennoch alles seine Richtigkeit hat, wird bald auf Tafeln klargestellt.

Aaltütendorf

Ihlowberge

Ob nun plausibel, logisch oder nicht, diese von Menschenhand geschaffene Geländefurche ist der erste der besonderen Orte am Weg und entführt in eine kleine eigene Welt. Durch ein Tor aus mammutschweren Monolithen tritt man ein in den kleinen Canon mit seinen lichten Birkengehölzen, sandigen Schwalbenhängen und dem steinernen Rund im Zentrum. Schon von Weitem zu sehen ist die Reihe markanter Drei-Mast-Gebilde, welche zunächst eindrucksvoll und schön sind, dann aus der Entfernung den Sinn ergeben, von dem vorher zu lesen war.

Hinter Althüttendorf

Kurz danach folgt das nördliche Steintor aus siamesischen Felszwillingen, dessen strahlenförmige Sprengkanäle fast schon künstlerisch beabsichtigt wirken. Ein Schafstall und Weidezäune verweisen auf wollige Landschaftspfleger, die hier manchmal an den Halmen rupfen und damit den Ort noch mehr zu einem Verweilort machen. Ein Apfelbaum mit reichlich Früchten über und unterm Stamm entlässt uns schnurpsend aus dem Tal der Berge.

Am Grund der Ihlowberge

Vom nächsten Feldweg fällt der Blick auf den Ausleger eines Tagebaus, den man nicht erwartet hätte inmitten dieser urigen und zugleich lieblichen Landschaft. Die Entlegenheit nutzen auch der Schützenverein und die Motocross-Piloten, die hier kaum jemanden stören dürften mit ihren jeweiligen Zündungslauten.

Die Wegentscheidung an der folgenden Gabelung ist weder einfach noch von Bedeutung, da sich beide Äste bald wiedertreffen. Der rechte ist absteigend, sieht bunter aus und versammelt dramatisch geborstene Weidenopas am Wegesrand, die scheinbar aus jedem Bersten neue Kraft schöpfen und skulptural weiterleben.

Steinplatz in den Ihlowbergen

Bald darauf beginnt ein sagenhaft schöner Feldweg in Richtung Groß Ziethenw, wo mit dem Besucher- und Informationszentrum zum Geopark die touristische Mitte der südlichen Grumsinregion liegt. Auch dieser gemütliche Alleeweg, der wie aus dem Leitfaden für die schönsten Wege gebaut scheint, wird von Wuchswerk verschiedener Höhe gesäumt und zieht die sanften Landschaftswellen nach, ohne gleich in den Waden zu zwicken. Über längere Zeit begleiten ihn junge Nussbäume, die im sanften Wind gerade die letzten fußsohlengroßen Blätter abwerfen.

Nördliches Portal

Während im Süden die tiefe Grube des Tagebaus konkret wird, überragt im Norden das Wipfelwerk des Gruminser Forstes die Landschaft und gibt eine ungefähre Vorschau auf den Fortschritt der Laubfärbung. Von fern sind Stimmen zu hören und in mehreren Richtungen lassen sich bunte Jacken ausmachen, getragen von Leuten verschiedener Generationen. Silber ist hier durchaus nicht die dominierende Note.

Weg nach Groß Ziethen

Kiesgrube Althüttendorf

Obwohl alle die Aussichtsplattform anpeilen, den zweiten besonderen Ort, wird sie gestaffelt erreicht und kann nacheinander genossen werden. Das Geländer ist kräftig, die Böschung mit grobem Gestein von hier befestigt. Von oben sieht es richtig nach großem Tagebau aus – weit hinten zeigen sich offene Flächen und schwere Technik für die Kiesernte, im Vordergrund zumeist brach liegende Gebiete, die schon von erster Vegetation bedeckt werden. Auch die flachen und tieferen Riesenpfützen gibt es, die großen Vögeln gute Nachtlager abgeben. Die Kanzel mit ihrem speziellen Blick ist ein kurioses und zugleich passendes Kontraststück hier im Geopark.

Blick zum Buchendach des Grumsin

Grumsiner Forst

Doch jetzt zieht der große Wald mit aller Macht und wir wählen den direkten Weg, der im sanften Anstieg und niemals ganz gerade zwischen Pfühlen hindurch zum Waldrand strebt. Beim Eintritt in den Buchenwald geht es sofort zur Sache, das Fest der Farben beginnt. Die Sonne sorgt mit Schattenspiel, durchleuchteten Blättern und großem Lichtpinsel für Üppigkeit in allem, was mit dem Laub der Bäume zu tun hat.

Unterwegs zur Aussichtskanzel

Im Randbereich geben sich die Wipfel noch zwischen grün und gelb über fahlbraunem Laubteppich, doch je tiefer es in den Wald hinein geht, desto mehr übernehmen die goldenen und goldbraunen Töne. Schon bald ist außer den glatten Stämmen der Buchen alles leuchtend golden, ganz gleich ob man den Blick hebt oder senkt. Der blaue Himmel tut das Übrige.

Aussichtskanzel über dem Tagebau

Das Ostufer des Großen Schwarzen Sees begleitet ein Weg, der unterhalb eines laubbedeckten Hanges verläuft. Hier zeigt sich eindrucksvoll das volle Spektrum – unten der dunkle Laubteppich, aus dem in dichten Abständen Steinbrocken in den Größen aller gängigen Kürbisarten ragen. Dazwischen liegt kreuz und quer großes Bruchholz und Geäst, leitet den Blick zu den Wurzelfüßen der Buchen und von dort an den grauen Stämmen direkt nach oben in die leuchtenden Kronen. Noch sind sie so dicht, dass kaum etwas vom Himmel durchscheint.

Blick in die Kiesgrube

Wer einen stillen Flecken gefunden hat, für einen langen Moment stehenbleibt und die Augen schließt, kann eines der anmutigsten Geräusche hier hören – fallende Buchenblätter. Aus der großen Höhe der Wipfel beschleunigen sie vom Gondeln übers Segeln zum Fallen und treffen schließlich am Boden auf den dichten Teppich derer, die früher dran waren. Da alles lose aufeinander liegt, bleibt es nicht beim Geräusch des auftreffenden Blattes, sondern wird zum feinsten Dialog, wenn alle Beteiligten aufeinander zu oder in sich zusammenrutschen. Klingt so beschrieben etwas spinnert, doch vor Ort ganz herrlich und macht direkt Lust auf ein paar Minuten Verlängerung der kleinen Darbietung.

Weg hinauf zum Grumsin

Bevor die Dämmerung einsetzt, sollte man jedoch den Kopf wieder geraderücken und die Augen öffnen, sich losreißen und zusehen, dass man aus dem Wald kommt, denn wenn es hier dunkel wird, dann wird es richtig dunkel. Und wer sagt, dass der Grumsin nicht auch ein Wesen sei? Zu beachten ist, dass im gesamten Wald nur eindeutige Wege benutzt werden sollten, damit die Werdung des Waldes zum Urwald durch nichts verzögert wird.

Im südlichen Grumsiner Forst

Sperlingsherberge

Eine schöne Art, den Grumsin zu verlassen, gibt es bei Sperlingsherberge, wo sich eine regelrechte Wegstufe durch eine markige Geländekante furcht und von draußen kommend an ein Portal erinnert. Gleich daneben befindet sich nun der dritte besondere Ort am Weg, der vor gar nicht all zu langer Zeit liebevoll gestaltet wurde.

Nebental im Grumsiner Forst

Verbunden durch freigemähte Wiesenwege gibt es hier eine riesige Sonnenuhr, einen freiliegenden Steilhang mit unmittelbarem Blick in die Erdgeschichte und regionale Besonderheiten, ferner ein Modell des hiesigen Geländeschnitts und schöne Rastbänke. Dazwischen wogen hochstehende Gräser, da und dort stehen Wacholderbäume wie Figuren im Park und weiter hinten lockt ein Bogen großer Stufen in die Wiesenhöhen. Wer noch nie Lust hatte herumzutollen, könnte erstmals in Versuchung geraten.

Am Großen Schwarzen See

Den schönen Weg von der Aussichtsplattform zäumen wir jetzt von der anderen Seite auf, haben die Nussbäume nun rechts und können nochmal einen Blick auf die Wipfelkappe des Waldes werfen, nun mit taufrischem Wissen um alles Schöne darunter. Aus dem Reich der Pilze hat sich übrigens nicht ein einziger sehen lassen, dafür fand sich eine letzte Mücke bereit für etwas Quengelei während der Rast.

Auch der Weg nach Neugrimnitz sieht nach Parklandschaft aus, was der Blick auf die Karte bestätigt. Eine Gruppe Radfahrer lauscht gerade dem wohlmodulierten Vortrag des Ältesten, der nach vielen Worten aussieht und sein Wissen verschmitzt weitergibt. Die Jüngsten dürfen Kraft ihrer Jugend sanft mit den Augen rollen, die zugehörigen Elternteile haben den Kopf ein wenig in den Nacken gelegt und stieren in den Himmel oder zählen ihre Fingernägel durch. Das Senken der Stimme zu einem abschließenden Satz kommt dann scheinbar schneller als erwartet, und Sekunden später fahren alle fröhlich weiter.

Uferweg am Großen Schwarzen See

Neugrimnitz

Am Ententeich biegen wir ab in die Straße Kellerberg. Vorbei am Dorfplatz, bei dem die meisten Eventualitäten im Jahreskreis bedacht wurden, senkt sich diese nun eine Etage tiefer und vollzieht dabei einen Wandel von nüchtern nach festlich, denn die begleitenden Ahornbäume geben der geschickt gepflasterten Straße das Antlitz einer Kurpromenade und tauchen alles in kräftiges Gelb. Allmählich rückt sich die Autobahn wieder in die Wahrnehmung, doch der Wind hat abgeflaut und etwas gedreht, sodass der Lärm bis zuletzt gedämpft bleibt.

Bei Sperlingsherberge

Gleich hinter der Unterführung lockt ein oft gegangener Weg zum Rand des westlichen Grumsiner Forstes, der von Wanderwegen weitgehend unberücksichtigt blieb und beim Durchstreifen etwas Pioniergeist einfordert. Doch die Beine sind heute schon so müde, dass nicht mal die Radfahrer und Fußgänger jenseits der Kuhweide ausreichend Neugier darauf machen, diesen ufernahen Weg noch heute zu erkunden. Wir bleiben also auf dem lauten Weg entlang der Autobahn, der trotz allen Lärms immer schon schön war und jetzt noch etwas aufgemoppelt wurde.

Althüttendorf

Bei den ersten Häusern von Althüttendorf lässt der Pegel nach, sodass wir abendliche Gänsescharen hören, ganz weit oben. Auf Höhe der flügellosen Bockwindmühle fällt der Blick durch die Apfelbäume unweigerlich zum Grimnitzsee, der heute vormittag blauer noch als blau war, jetzt unter den aufgezogenen Wolken silbrig schimmert und die Dämmerung herbeiwinkt. Weiter hinten rasten große Gänsescharen in der schilfigen Bucht, und je länger man hinschaut, desto mehr Schwäne lassen sich dazwischen entdecken.

Bei Neugrimnitz

Besser geht das gleich noch vom Eulenturm, vor dem in patinierten Lederpellen eine Horde nicht zu alter Biker steht, ausschließlich mit Gespannen. Vermutlich fünfzig oder sechzig Jahre alt sind die gewienerten Maschinen und lassen kernige Stimmlagen ohne Spielarten von Autotune erwarten. Die meisten der Jungs und Mädels lassen die obligatorischen Wannen vermissen, plaudern miteinander und kommen dabei ohne viel Text aus, der zudem vorrangig in Hauptsätzen angeordnet ist. Vermutlich Leute aus dem Norden.

Hinter Neugrimnitz

Nachdem wir wieder vom Ausguck abgestiegen sind, nickt eine dem anderen und der allen Übrigen zu, woraufhin die Maschinen eine nach der anderen angeschmissen werden. Nichts wirkt künstlich, nichts gewollt infernalisch. Es klingt einfach so, wie es klingen soll und summiert sich selbst im Chor der Aggregate nur wenig. Und dann sind sie auch schon weg und nicht noch eine Ewigkeit zu hören.

Abendlicher Grumsinsee bei Althüttendorf

Kurz vorm Dorf werden gerade ausgewählte Pferde kontrastierender Designs von der Weide geholt, andere bleiben über Nacht, wie es aussieht. Am kleinen Strand haben sich ein paar Pärchen auf den besten Plätzen verteilt und warten in der heranschleichenden Abendkühle ab, ob sich die Sonne wohl zu etwas Spektakel hinreißen lässt. Doch sie steht noch ziemlich hoch, der Himmel ist zudem verhangen und letztlich werden wohl nur die Geduldigsten belohnt – oder jene, die an eine kuschlige Decke gedacht haben.












Anfahrt ÖPNV (von Berlin):
Regionalbahn von Berlin-Ostkreuz über Eberswalde (ca. 1,25-1,5 Std.)

Anfahrt Pkw (von Berlin): über Autobahn (ca. 1 Std.)

Länge der Tour: ca. 18,5 km (Abkürzungen gut möglich)


Download der Wegpunkte (–> Wegpunkte und Track folgen in Kürze)
(mit rechter Maustaste anklicken/Speichern unter …)

Links:

Weltnaturerbe Grumsin

Geopark am Eiszeitrand

Eulenturm (Vogelbeobachtung) Althüttendorf

Kiesgrube Althüttendorf

Einkehr:

Waldschänke, Althüttendorf (etwas außerhalb beim Ferienpark)
Imbiss Ortlieb, Althüttendorf

Eberswalde: Mauerfährten, Treppenhöhen und das Holz im Sinne

Der Winter hat so vor sich hingedümpelt, als wüsste er nicht recht wohin mit sich. Hier mal so was wie Kälte ausprobiert, da etwas schnellen und launischen Wind, doch alles wenig motiviert. Bei so viel Unentschlossenheit hat die Natur dann eine Entscheidung getroffen und auf Vorfrühlingsmodus umgeschaltet – im Wissen, dass es sicherlich nochmal kurz kalt wird. In den Vorgärten und auch mitten im Wald tummeln sich bunt, doch bienenlos all die üblichen Verdächtigen wie Schneeglöckchen, Krokusse und sogar vereinzelte Märzenbecher. Die gelb leuchtenden Winterlinge hingegen sind schon wieder Schnee von gestern und haben sich nur zu einer knappen Saison um den Wechsel vom Januar zum Februar bitten lassen.

Schillertreppe über Eberswalde

Während nur Kenner wissen werden, ob da noch die Wintermeise oder schon die des Frühlings zu hören ist, setzt die allererste Lerche hoch überm Feld einen mehr als eindeutigen Akzent. Muss alles nichts heißen, doch selbst wenn der Winter sich endlich zu einer kurzen oder längeren Vorstellung entschließen will, sollte er nunmehr auf keine Art von rotem Teppich hoffen. Das goldene Abendlicht über schneelosen Landschaften jedenfalls weckt an den schönsten der Tage den innigen Wunsch, die Zeit für eine Weile anzuhalten.

Der Großteil dieses Februars jedoch gibt sich durchwachsen, graubetont und luftbewegt. Wer also nicht zu sehr von den Elementen herumgescheucht werden möchte, sucht sich für längere Aufenthalte im Freien am besten hochgewachsenen Wald oder ein eingeschnittenes Tal und packt dazu noch ein Stück sehenswerter Siedlung.

Kurz vor dem Schwärzetal

Eberswalde

Eberswalde wird bei gaumenfreudigen Leuten mit gewissen regionalen Kenntnissen die geschmacklich kontrastierenden Bilder von Würstchen und Spritzkuchen aufploppen lassen. Ob dieser nun tatsächlich in Eberswalde das Licht der Konditorenwelt erblickte, sei dahingestellt. Sicher ist jedoch, dass man hier im Ort fast schon zwei Jahrhunderte Erfahrung mit diesem speziellen Fall der kleinen Sünde hat.

Hinterlässt so ein aufgekreppter Rundling in den meisten Fällen fettige Finger sowie ein schweres Gefühl im Magen, gelingt es den hiesigen Ölgebadeten, äußerlich staubtrocken und dennoch saftig, formschön und geschmacklich charaktervoll zu sein. Zudem stellt der durchschnittliche Magen nach dem Genuss auch keine schwerwiegenden Quittungen aus. Hinterher spricht also nichts gegen ein oder zwei Eberswalder Würstchen – zum Neutralisieren.

Zahme Wildnis im Schwärzetal

Wer die Stadt nur von einer Stippvisite, vom Besuch des Zoos oder Forstbotanischen Gartens oder einfach vom langgezogenen Durchfahren kennt, dem werden dennoch die markanten Oberleitungen im Gedächtnis geblieben sein, in denen aus heutiger Sichtweise jüngere Vergangenheit und nahe Zukunft zum herzlichen Handschlag ausholen. Die beiden O-Bus-Linien ziehen sich durch den größten Teil des weitläufigen Stadtgebiets. Das schlichte und geniale Prinzip ist bis heute faszinierend.

Tor zum Forstbotanischen Garten

Wer hingegen schon öfter hier war und meint, Eberswalde halbwegs zu kennen, für den ist meist dennoch einiges übrig, das sich entdecken lässt. Denn die kleine Stadt am Finowkanal ist, abgesehen von ihrer einladenden Umgebung, vielseitig und dabei naturräumlich noch schöner gelegen, als man auf den ersten Blick schon zu erkennen glaubte. Um das zu überprüfen, stehen neben dem knapp einstündigen Stadtrundgang zwei Stadtrundwege bereit, die bestens ausgeschildert sind und wahlweise zwei bis drei Stunden oder das Doppelte davon füllen.

Alpenexkurs im Forstbotanischen Garten

Während die Langversion beherzt ins Umland ausschwärmt, beschränkt sich die kurze auf das Gebiet zwischen Marktplatz und Zoo. Und lässt dabei keine Wünsche offen – die Route wurde mit Ortskenntnis und wegebauerischem Geschick konzipiert und trägt ihr Herz am rechten Fleck. Trotz der überschaubaren Länge liegen viel Natur, verschiedenste Landschaften sowie viel Sehenswertes am Weg. Die Tour hier zeigt nur geringfügige Abweichungen vom Kleinen Stadtrundweg, welche der Neugier auf möglichst viele Gesichtszüge der Stadt geschuldet sind.

Am schönsten beginnen lässt es sich am Markt oder der benachbarten Stadtschleuse, sodass sich vom Bahnhof eine Fahrt mit dem Oberleitungs-Bus geradezu anbietet. An anderer Stelle wurde schon ausgiebig vom Zauber des beschaulichen Finow-Kanals berichtet, der sich direkt an der Schleuse überqueren lässt – wenn man zu Fuß unterwegs ist. Wer von dort nicht auf dem kürzesten Weg zum Marktplatz streben möchte, kann optional der Mauerstraße folgen und sich ein wenig durch die Gassen treiben lassen, die es hier in schöner Ausprägung gibt.

Winterabends am Finowkanal

Passend diesen gab es einmal eine Stadtmauer, die jedoch vor fast genau zweihundert Jahren abgetragen wurde – auf Anweisung der Stadtverwaltung. Ob es einen Zusammenhang mit dem Beginn der Spritzkuchen-Epoche gibt, wäre noch herauszufinden. Hier und dort meint man das alte Gemäuer wahrhaftig zu spüren, von dem sich mit etwas Instinkt und gutem Willen ein paar übersehene Meter finden lassen. Um deren Wohlbefinden kümmert sich derzeit vor allem ein immergrünes Beeren-Gebüsch, das auch und gerade in der kalten Jahreszeit vor den Launen des Wetters schützt und zudem den winterharten Vögeln eine Notnahrung bereithält.

Gassen in der Innenstadt, Eberswalde

Die leicht gekrümmten Gassen sind ansehnlich und leicht verspielt gepflastert. Begleitet werden Sie von klassisch geformten Laternen und verschiedenartigen Häusern und geben damit dem Stadtspazeur ein schönes Bild ab. Das gilt auch für den Marktplatz, der von einigen altehrwürdigen Fassaden ebenso eingerahmt wird wie von dem modernen Ensemble des Paul-Wunderlich-Hauses, das mit seinem Hof fast ein kleines eigenes Viertel aufspannt. Auf dem großen Marktplatz lassen sich bestens Märkte aller Art und Färbung abhalten, was besonders auch für die jüngst vergangene Weihnachtszeit gilt. Auf der Ecke zur Kirche hin bietet sich eine der besten Gelegenheiten für eine zünftige Spritzkuchen-Verkostung.

Kirchvorplatz in Eberswalde

Mit behütendem Auge über den Markt liegt hinter einem verspielten Wiesenhang die Kirche, umgeben von historischen Fassaden, und am Ende der Kirchstraße lässt sich das erwähnte Stückchen Mauer aufspüren. Gleich daneben steht an einem kleinen Platz einer von diesen gelungenen Wegweisern, der nun mit dem Begriff Drachenkopf die Neugier weckt – und Assoziationen zu ähnlich klingenden Namen in verschiedenen Mittelgebirgsregionen.

Stadtmauer Eberswalde

Diese werden noch verstärkt durch die weit hinten erahnbare Goethetreppe, die in imposanten Abteilungen eine ganze Reihe märkischer Höhenmeter überwindet und mit ihren breiten Aussichtsbänken auf halber Höhe an ein zurückhaltendes Kurviertel denken lässt, wie man es vielleicht von Bad Freienwalde kennt. Prägend für diesen Eindruck ist ganz oben auch die eindrucksvolle Villa mit ihren Spitztürmen und Terrassengängen, die Kraft ihrer Patina auch irgendwo im Böhmischen oder als Dracula-Schloss in den Karpaten stehen könnte.

Goethetreppe Eberswalde

Drachenkopf

Ist ihre Höhe erklommen, lohnen die paar Schritte links hinauf zur Aussichtsplattform. Alles zusammen lässt durchaus einen Gedanken an den nördlichen Harzrand aufblitzen, vor dem sich weit das Vorland ausstreckt. Gleich zu Füßen liegen die Goethestraße und die Innenstadt mit dem markanten Kirchturm, weiter hinten lassen sich jenseits der Kanäle die Wälder rund um Chorin erahnen, welche die diesige Sicht des heutigen Tages im Ungewissen lässt. Unbeeindruckt davon wirft auf dem großzügigen Rondell oberhalb der Treppe ein schwer berechenbarer Drache seinen Kopf in den Nacken und stößt mit halb geschlossenen Augen einen lautlosen, urtümlichen Schrei aus.

Drachenkopf Eberswalde

Angesichts der Anhöhe, der voller Geschichten steckenden Villa und des bis zum Hals versunkenen Ungetüms ist zu vermuten, dass sich um den Namen Drachenkopf manche erzählenswerte Schnurre rankt. Gewiss hingegen ist, dass sich in den zahlreichen Gebäuden hier oben alles um Menschen im letzten oder allerletzten Lebensabschnitt dreht. Dementsprechend hoffnungsfroh liegt gleich gegenüber die Kita mit dem schönen altmodischen Namen Sputnik – sicherlich gibt es zwischen beiden regen Austausch, fußend auf bewährten Erfahrungen.

Im Stadtwald

Ein Schleichweg lässt hindurch zur Hardenbergstraße, die so kurz ausfällt, dass der Namenspate sicherlich eine ausgeprägte aristokratische Schippe ziehen würde, wenn er noch am Leben wäre. Gleich an ihrem Ende steigt ein kleiner steiler Pfad noch etwas höher und leitet nun den waldreichen Abschnitt entlang Eberswaldes hoher Kante ein, umspielt von krummen Pfaden und ein paar abgelatschten Stufen.

Ein paar Schritte später lässt sich vom oberen Rand der Schillertreppe noch ein zweiter Blick auf die Stadt werfen. Fast am selben Ort hat sich zwischen die ganzen Zeitgenossen des 18. Jahrhunderts ein Herr Luther verirrt, der einer alten Eiche seinen Namen leiht. Gemeinsam mit der mondänen Schillertreppe und dem noch recht jungen Wunderkreis, einem gepflasterten Labyrinth nach alten Vorlagen, gestaltet diese eine schöne und besondere Parkanlage.

Am Waldcampus, Eberswalde

Gleich gegenüber taucht der Stadtrundweg nun in lichten Laubwald ein, dessen Boden sich in sanften Wellen gebärdet. Vom hiesigen Schulwald fällt vor allem ein Barfuß- und Geschicklichkeitspfad ins Auge, jetzt in der Jahreszeit, wo fast alles hier nur ein bis zwei Farbtönen entstammt. Angenehm ergänzend begleitet ein goldbrauner Laubteppich die Schritte bis zum dritten Aussichtspunkt, der einen eigenen Bergnamen bekommen hat. Dutzende Pfade durchziehen den offenen Wald und versuchen vom Wege abzulenken, doch die Markierung ist verlässlich.

Auf dem Stadtrundweg

Waldcampus

Ein kurzes Verlassen führt uns zur Ministadt rund um den gemütlichen Campus des Instituts für Waldökosysteme, und auch hier treffen sich Altes und Modernes in gelungener Weise, selbstredend stark holzbetont. Dass Eberswalde nicht nur durch seinen Forstbotanischen Garten mit dem Thema Wald zu verknüpfen ist, wird spätestens an diesem Ort klar. In der campuseigenen Kita wird gerade fleißig gebastelt, aus der Mensaküche tönt das Klirren von Geschirr und erweckt den Magen zu einem leichten Knurren. Da kommt die wohnliche Bushaltestelle gerade recht für eine Pause.

Waldweg am Versuchsgarten

Die Gebäude rund um die Haltestelle lassen an die geniale Sendereihe Geheimnisvolle Orte denken. Davor stehen einige sehr spezielle Nadelbäume, an deren Ästen winzige Zapfen hängen. Auf der Ecke steht als wuchtige Skulptur und von armesdicken Edelstahlrohren gestützt der aufgestellte Fuß eines Baumes, der zu olle Hardenbergs Zeiten schon zwei Personen zum Umfassen des Stammes gebraucht hätte.

Wie als Kommentierung des Themas führt der nächste Wegabschnitt nun durch verschiedenste Arten von Forst, zunächst vorbei an betagten Douglasien, dann an kleinen Fichtenwäldchen, jenseits der Landstraße auch an einem Versuchsgarten mit verschiedenen Beeten. Der Waldboden ist gut getränkt von den letzten Tagen.

Im Schwärzetal

Schwärzetal

Noch einmal recken sich einige alte Douglasien, bevor der Weg nun unvermittelt hinabsteigt ins idyllische Tal der Schwärze. Die hat keine zwei Kilometer flussaufwärts das Nonnenfließ unter den Arm genommen und bahnt sich nun bogenreich ihren Lauf durch den breiten, morastigen Talgrund. Die breiten Uferflächen sind vom Wild zerlatscht wie ein mittelalterlicher Marktplatz oder die Wiesen von Wacken nach verregneten Festivaltagen.

Lehmhütte im Schwärzetal

Pittoresk-rumplige Stege locken über das glasklare Wasser ans andere Ufer, und auch der Kleine Stadtrundweg hat dort die Herthaquelle ins Visier genommen und umrundet nachfolgend das Gelände des beliebten Zoos. Doch wir sind angefüttert durch das naturnahe Antlitz des Schwärzetals und bleiben dem Bach treu. Vieles liegt quer und zeugt von windigen Tagen sowie dem Prinzip des Liegenlassens. Aus querliegendem Waldkram scheint auch die kleine Informationshütte gebaut. Die besteht zum Großteil aus Lehm, und es ist gut zu erkennen, wie er verbaut wurde.

Zainhammer Mühle

Zainhammer Mühle

Immer uriger wird es, zugleich geht der Bach in die Breite, nimmt sich seinen Platz. Voraus gibt sich ein Buchfink erfolgreich als Laubblatt am Zweig aus, stellt die mitgeführten Brillen infrage und macht also seinem Namen alle Ehre. Währenddessen kommt der Bach nun ins Mäandern, bevor er sich im Zainhammer See so richtig breit machen darf und dort zur besten Ententreffe avanciert. Der kurze Abstecher zur Zainhammer Mühle lohnt nicht nur wegen des Seeblickes und des kleinen Wassersturzes, sondern auch der schönen Rastbank wegen, die es sich zwischen den leuchtend blauen Türen bequem gemacht hat und das gerne weitergibt.

Spazierweg am Forstbotanischen Garten

Noch immer begleitet der Weg im Groben den Bachlauf, obwohl das Wasser die meiste Zeit nicht zu sehen ist. Nach einem kurzen Stück ruhiger Straße beginnt links ein großzügiger Fuß- und Radweg, der rege benutzt wird. Das geht auch nachts, denn Laternen begleiten seine gerade Linie. Bald leuchtet links als knallig roter Farbakzent das Tor zum Forstbotanischen Garten. Dessen Gelände ist leicht hügelig und eigentlich einen eigenen Tagesausflug wert, und so drehen wir nur einen kurzen Schlenker, finden uns kurz in den Alpen wieder und gewinnen einen ersten Eindruck, der selbst im diesigen Grau eine Verlockung hinterlässt. Weiter unten bahnt sich die Schwärze ruhig ihren Weg.

Im Forstbotanischen Garten

Wieder versuchen einige Pfade, vom rechten Wege abzulenken, doch wir folgen dem breiten Knirschweg, bis bei der Oberförsterei und dem Waldsolarheim ein letztes Mal die Waldthematik aufgerufen wird. Hier übernimmt nun die Brunnenstraße, die mit edlen Villen und riesigen Gärten wiederum an die Kurthematik anknüpft. Beides vereinend und noch das Thema Stadtgrün hinzufügend taucht die gerade Linie des Weges in den zauberhaften Park am Weidendamm ein, der länglich den Wassern der Schwärze folgt und diese in spielerischer Weise aufgreift.

Park am Weidendamm

Der Park ist gut genutzt von alten Altersklassen und wirkt doch an keiner Stelle überfüllt. Es kann gespielt, gekneippt oder geklettert werden, wahlweise auch ganz klassisch spaziert oder nur so auf der Bank gesessen. Und natürlich – auch hier gibt es respektable alte Bäume, die am Ufer des Teiches sogar so eine Art stehende Tanzperformance für die Ewigkeit aufführen.

Schnelle am Weidendamm, Eberswalde

Die zentraler gelegene Ententreffe liegt direkt vor den Schnellen an der Brücke beim Weidendamm, und damit das Tagesthema nicht vergessen liegt, liegen am anderen Ufer die Alte und Neue Forstakademie. Wer die urbanen Enten gründlich studieren möchte, kann das übrigens gut vom kleinen Bistro aus tun.

Stadtpromenade am Finowkanal

Ein paar Schlenker schaffen die erste, kurze Berührung mit nennenswertem Verkehr, bevor die letzten Schritte nun dem schönen Finow-Kanal gewidmet sind. Zu beiden Seiten laden Treidelwege zum genießerischen Schlurfen ein, am Ufer gibt es Bänke und breite Stegterrassen, um sich vom Schlurfen zu erholen. Bevor man schließlich wieder richtig in der bewegten Welt mit ihren hastigen Leuten, Ampeln und Fahrzeugen auftaucht, weckt die breite Strandpromenade am anderen Ufer nun erstmals Vorfreude auf ganz andere Jahreszeiten – solche mit kurzen Ärmeln, kurzen Schatten und eisgefüllten Waffeln.










Anfahrt ÖPNV (von Berlin): ab Berlin-Ostkreuz Regionalbahn nach Eberswalde, dann Bus ins Zentrum (ca. 1-1,25 Std.)

Anfahrt Pkw (von Berlin): Landstraße über Bernau und Biesenthal; Landstraße über Ahrensfelde und Tiefensee; Autobahn (jeweils ca. 1-1,25 Std.)

Länge der Tour: 11 km (Abkürzungen sehr gut möglich)

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Links:

Tourismus Eberswalde

Artikel über Eberswalde

Broschüre mit Stadtrundwegen (S. 28)

Paul-Wunderlich-Haus am Markt

Wunderkreis an der Schillertreppe

Waldcampus Eberswalde

Zainhammer Mühle

Forstbotanischer Garten Eberswalde

Einkehr: Café Gustav am Markt
Zum Weidendamm, Eberswalde
zahlreiche gastronomische Angebote im Ortsgebiet

Grobskizziert – Reitwein: Auenrupfer, Odersporn und die erlaufene Seelenruhe

Der September ist gut in Schwung gekommen, bringt an den meisten Tagen bereits diese anregende Mischung aus frischem Wind und kräftiger Sonne mit und hat schon viele der würzigen Düfte bereitgestellt, die sinnesfreudig den Herbst ankündigen. Unter den Bäumen raschelt erstes Laub, während im Buschwerk entlang der Wege verschiedenste Beeren eine Farbpalette öffnen, die auch dann noch leuchten wird, wenn einmal alle Blätter gefallen sind. Am beständigsten unter ihnen sind dabei die Hagebutten, die selbst noch unter Raureif und zartem Schnee mit aller Kraft und lackglänzender Haut hervorleuchten.

Grenzfluss Oder

Neben der Nase werden auch die Ohren auf die erdbunte Jahreszeit vorbereitet, wenn sich zwischen das klickende Geplauder der allerletzten Schwalben im ferneren Surround-Bereich schon das monotone Getöne von Krähen und Raben mischt, die bislang nur vereinzelte Silben aus ihren respektablen Schnäbeln pressen. Oder weiter im Hintergrund die Scharen von Kranichen fast nur zu erahnen sind, die später am Tag kurz vor dem schwindenden Licht von der Kost zur Logie umziehen werden. Hier und dort schon kilometerlange Gänse-Einsen für den anstehenden Langstreckenflug üben.

Uferstreifen der Oder gen Lebus

Wer hier nicht seinen ersten Text liest, weiß vielleicht bereits von der besonderen Zuneigung des Autors zur Oder, die Euphorie und Ehrfurcht zu gleichen Teilen verschmilzt und für eine genießerische Niedrigdosierung der odernahen Ausflüge sorgt. Bevorzugt sind es die kalten bis bitterkalten Tage, die besonders gut zu den Landschaften dieses Grenzflusses passen, zum Wilden und scheinbar Unbekannten, was sich dahinter bis hin zum Ural aufspannt.

Schöne Aussicht bei Reitwein

Ganz unabhängig von den Jahreszeiten passieren manchmal im Leben kleine oder auch große Wunder. Wenn dann die nächste Möglichkeit für einen Tag unter freiem Himmel kommt, empfiehlt sich eine Landschaft, die vertraut ist, einen wohlig umfängt und etwas Archaisches in sich trägt. Auch lange Wege bietet und Weite in fast alle Richtungen, so dass ausgiebig erzählt und auch geschwiegen werden kann. Ein breiter und ruhiger Fluss ist dabei nicht von Schaden oder auch ein ferner Blickfang, der sich leicht rätselhaft gibt.

Doch auch der sommerspäte Frühherbst ist eine gute Oderzeit, wenn alles oben Erwähnte am selben Ort zu beobachten ist und dazwischen die schokoladenschwarzen Ackerschollen liegen, von großer Pflugschar aufgebrochen und dabei sauber eingerahmt durch schnurgerade Wege.

Im offenen Schiff der Reitweiner Kirche

Reitwein

Das Oderbruch ist bekannt dafür, ganz außerordentlich flach zu sein, wird dem Begriff topfeben wirklich gerecht. An vielen Stellen erhebt sich jedoch sehr direkt und nicht zu übersehen eine ausdrucksvolle Geländekante, die für teils unwiderstehliche Kontraste sorgt und unruhige Zeigefinger am Auslöser. Ein besonderer Dank hierfür geht an die letzte Eiszeit, wieder einmal.

Kirchturm in Reitwein

Bereits im Stadtgebiet von Frankfurt an der Oder beginnt einer dieser Höhenzüge, der über knappe zwanzig Kilometer vorbei am schönen Lebus bis hin zum Dorf Reitwein reicht. Schon vorher transformiert er sich von der Hochebene zum Sporn und läuft dann unvermittelt und direkt aus, was dafür sorgt, dass die Annäherung an ihn ein wenig wie die an eine hügelige Insel oder eine Voralpenlandschaft ist. Drumherum die absolute Flachheit. Es ist wirklich faszinierend.

Der Bullengraben bei Reitwein

Was der ganzen Szenerie zudem den Anstrich eines hochromantischen Gemäldes verleiht, ist die Reitweiner Kirche. Die steht eigentlich versteckt im unteren Hang, doch ihr spitzer Turm ist aus großer Ferne schon zu sehen und gibt einem das Gefühl, sich geradewegs in dieses Gemälde hineinzubegeben. Wer bei Regen nicht nass werden möchte, wird dort keinen Schutz finden. Wer jedoch Freude an naturgegebenen Lichtspielen auf schöner Architektur hat, sollte den kleinen Abstecher nicht versäumen. Den Entwurf für die Kirche lieferte übrigens ein Herr Stüler, der zur Architekten-Prominenz seiner Zeit zählte – auch das Neue Museum in Berlin geht auf seine Kappe. Der Baumeister Stüler war übrigens ein Schüler Schinkels, der hier schon viel zu lang nicht mehr Erwähnung fand.

Einladender Weg durch die Oderauen

Reitwein selbst ist ein hübsches Dorf von angenehmer Unregelmäßigkeit, zudem gibt es noch einige von diesen schönen Schleichwegen, die auf Wiesenteppich oder als getrampelter Pfad die stillen Straßen verbinden und im Langzeitgedächtnis eines jeden Reitweiner Kindes verankert sein dürften.

In den Oderauen

Gegenüber der Kirche liegt eine eindrucksvolle Sowjetische Kriegsgräberstätte, die Gedanken an die erbitterten Kämpfe in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges wachhält, als nichts in dieser Landschaft friedlich war und ihr Gesicht zerschnitten. Als grundfriedliches Gegenstück dazu liegt gleich links benachbart ein kleiner Sommer- und Kräutergarten mit winziger Teichpfütze, der betreten werden darf und gleichermaßen Insekten oder Erholungssuchende bedient.

Die breite Oder

Die ausgedehnte Tour mit ihren vielen langen und landschaftsschwelgerischen Passagen findet sich genau so auch in einem blauen Brandenburg-Wanderführer. Sie vereint in sich eine ganze Handvoll Kapitel, deren jedes für sich seinen Charakter trägt und die man alle paar Jahre aufs Neue lesen möchte. Den Auftakt macht der umgehend pulssenkende Weg durch die inneren Oderauen, der vorbei an einer hinreißenden Rastbank mit Dorfblick und durch einen bruchklammen Grünzug zum großen Oderdeich führt. In Vertretung der Alten Oder, die einst weiter östlich ihre Bögen schlug, sorgt hier der Bullengraben für etwas fließendes Wasser, das von mehreren Stellen rund um Lebus daherkommt.

Was so wächst in den Auen

Hinter dem Deich öffnen sich die äußeren Oderauen mit ihrem urwüchsigen Erscheinungsbild. Die Oder ist von hier aus noch nicht zu sehen, doch hinter ihrem gedachten Verlauf geht bereits ein polnisches Panorama der Extraklasse in die Breite, das den Deich gewissermaßen zu einem endlosen Aussichtspunkt macht und irgendwo in der nahen Ferne als rätselhaften Blickfang eine glänzende Turmhaube durchscheinen lässt.

Auf Knöchelhöhe am Oderstrand

An diesem Streifen zwischen Deich und Oderufer wird man sich wohl niemals sattsehen können. In verspielter und natürlicher Unregelmäßigkeit ziehen sich einladende Wegespuren hindurch zwischen gekappten Altarmen und feuchten Wiesen, gestürzten und zugleich quicklebendigen Weiden oder kleinen Wäldchen, die sich von keiner der vergangenen Fluten haben unterkriegen lassen. Blasshäutige Baumruinen steuern eindrückliche Skulpturen zu diesem Ensemble bei. Dazwischen lassen die jagenden Wolken jede sichtbare Wasserfläche in Sekundenschnelle zwischen bleigrau, edelsilber und tiefblau wechseln, so dass die Auslöseverzögerung der Kamera für Grimm sorgen könnte – wenn man nicht so versunken wäre in dieses Landschaftsbild, zu dem man hier gerade selbst gehört.

Genügsame Pflänzchen

Weitere Accessoires, die das Unsteigerbare dennoch steigern, sind vereinzelte Strohrollen ohne Ablagesystem, in denen man ruhig einmal seine Nase vergraben sollte und tief einatmen, auch Weidezäune alter Schule oder die mit lustigen Ziegen durchmischten Schafherden, welche in diesen Wochen vielfach zu entdecken sind. Auch die Wolken tragen ihren Teil dazu bei, mal als brave Schafe, mal wild zerzupft oder gewagt ineinandergeschachtelt. Die Chancen für solche Himmelsbilder stehen an der Oder gut, wie die Erfahrung langer Jahre zeigt. Nicht zuletzt steuern die farbstarken Grenzpfeiler in regelmäßigen Abständen kleidsame Ergänzungen bei.

Uferstreifen der Oder

Neben den feuchten Stellen, Senken und Weihern gibt es auch einige streusandtrockene Stücke am Weg, die mittels wettergegerbter Holzplanken, vielleicht alte Eisenbahnschwellen, das Vorwärtskommen für Sohle und Reifen gewährleisten. Aus ihren Ritzen sprießen stillvernügt genügsame Blümchen.

Oderdeich mit Himmelsspiel

Wenn schließlich das Ufer der ruhig fließenden Oder erreicht ist, sollte man sich eine Rast auf einem dieser Zacken nicht entgehen lassen, die weit in den Fluss ragen. Es ist ein besonderes Gefühl, so ein bisschen mitten im breiten Fluss zu sitzen, bequeme Stellen gibt es fast immer. Nicht zuletzt kann es auch im späten Sommer angenehm sein, an einem dieser tausend Odersträndchen vollständig unterzutauchen, nur für ein paar Züge. Oder sich am gewählten Sitzplatz einfach nach hinten umfallen zulassen, mit geschlossenen Augen in den Himmel zu stieren und das leise Plätschern zu erlauschen, mit dem die klaren Flusswellen die äußersten Schotterbrocken umspülen. Man sollte es wirklich tun.

Schafherde nahe des Flusses

Aus dieser flachen Perspektive wirkt der Oderstrom zudem besonders breit und auch besonders blau. Schwierig ist es daher nur, sich wieder loszureißen, denn die Tour hat ja an dieser Stelle erst begonnen.

Schokoladenacker im Zustieg

Oderdeich

Auf Höhe des alten Fähranlegers beginnt das nächste Kapitel, das nun eine reichliche Stunde Autopilot gestattet, wenn gewünscht. Einfach die Füße machen lassen, die Gedanken fließen oder fliegen, und die Blicke schweifen. Der Oderdeich verläuft hier niemals schnurgerade, und hinter jedem Bogen gibt es neue Bilder, die sich nur selten ähneln. Mal kommt das lange Band der Oder in den Blick, mal eine der vielen kleinen Wasserflächen, die dem Deich zu Füßen liegen. Hier ist die Wiese struppig kurz, dort dann alles lückenlos bewachsen von hohen Gräsern oder auch Schilfteppichen. Und als kleine Kuriosität stehen immer wieder diese Durchfahrt-verboten-Schilder an Stellen, wo ohnehin niemals ein handelsübliches Kraftfahrzeug hinkommen oder weiterfahren könnte.

Aufstieg nach Wuhden

Rechtzeitig vor Lebus muss man sich losreißen und mal wieder auf das Display oder die Karte schauen, sonst würde man unversehens in Lebus landen – zwar auch sehr schön, doch fernab der restlichen Kapitel, dazu noch ein ganz eigenes. Ein paar rechtwinklige Abbiegungen begleiten den Weg durch die Felder hinüber zum unteren Rand der bewaldeten Höhenkante, die womöglich ein paar Mittelgebirgsassoziationen im Hinterkopf aufruft. Vereinzelte Gehöfte wurden liebevoll gestaltet, und am Abzweig, wo die Abkürzung hinzustößt, hockt ein versteinerter Troll, den wohl die Eiszeit von Skandinavien hierher verschlagen hat.

Ausblick von Wuhden

Wuhden

Nur wenig später geht es nun kurz und herzlich zur Sache, doch der Aufstieg an den Rand von Wuhden darf gut und gern ein eigenes kleines Kapitel für sich beanspruchen. Wer auf der Straße bleibt, kann oben im Dorf ein paar der hübschen Häuser sehen, doch zweigt man unten ab in den Weg mit schwarzem Kauz auf gelben Grund, darf die Höhe entlang eines idyllischen Grundes erklommen werden.

Weg auf dem Reitweiner Sporn

Oben beginnt dann, fast wie auf einem Kammweg, der nächste, äußerst aussichtsreiche Abschnitt entlang einer jungen Allee, die später in einer deutlich älteren aufgeht. Die beruhigende Spur ist immer leicht am Schlingern und taucht nach längerem in den Wald ab, wo der verdiente Abstieg nun genüsslich zelebriert wird.

Schöne Aussicht bei Reitwein

Noch in diesem abschließenden Kapitel sollte man sich trotz müder Beine und hängenden Magens nicht eine der schönsten Aussichten weit und breit entgehen lassen – der Abstecher ist nur kurz und endet an drei Bänken. Ähnlich frei und hochgelegen wie von der Schönen Aussicht kann man den Blick wohl nur von der Carlsburg bei Falkenhagen schweifen lassen – und ist dabei mit Sicherheit niemals ungestört.

Hohlweg hinab nach Reitwein

Wenn es wirklich Herbst ist und der Tag schon eine Weile läuft, wirft der Sporn seinen Schatten weit ins flache Land, wie ein altgedienter Fischer seine Netze, die in voller Breite auf die Wasserfläche klatschen. Die Bäume entlang der schnurgeraden Alleen tun das ihre, und der tiefe Sonnenstand steuert Goldlack und Weichzeichner bei. Auch der frische Wind hat sich woanders hin verzogen und überlässt die Landschaft gänzlich ihrer Stille, die Oder ihrem glatten blauen Spiegel und die tagaktiven Menschlein einer abendlichen Seelenruhe.











Anfahrt ÖPNV (von Berlin): mit der Regionalbahn nach Seelow, von dort mit Bus bzw. Bussen (1,75-2,5 Std.)

Anfahrt Pkw (von Berlin): auf der B 1 bis Manschnow, dann B 112 Richtung Lebus (ca. 1,75-2 Std.)

Länge der Tour: ca. 21 km, Abkürzungen möglich (Empfehlung: wenn abkürzen, dann zwischen Wegpunkt 10 und 15)


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Links:

Internetpräsenz von Reitwein

MOZ-Artikel Spaziergang Reitweiner Sporn

Einkehr: Gaststätte Am Reitweiner Sporn, Reitwein (vorher unbedingt anrufen, hat manchmal unerwartet geschlossen)