Trampe: Frisierte Kiefern, der Nebeltreck und das gezackelte Nonnenfließ

Der Januar hat sich nach klammen drei Wochen ein paar sonnige Tage mit knackig-blauem Himmel gegönnt und zugleich die Temperaturen ein wenig in den Keller geschickt. Erst danach gab es den ersten Schnee dieses Jahres, der eine ganze Nacht überstand und am nächsten Morgen den erwachenden Berufsverkehr auf ein bloßes Gemurmel dämpfte. Nur von hier und da tönten die scharf artikulierten Geräusche von Eiskratzern und das aufwändige Schnaufen potentieller Wagenlenker, die zum Freilegen benötigter Autos tüchtig den Schneebesen schwangen. Von weiter oben hört man hier und dort bereits die freudige Einsilbigkeit der Wintermeisen, die allem sonstigen Gekrächze schon selbstbewusst Paroli bieten. Wer es bis tief in den Wald geschafft hat, erhält sogar schon mehr als eine Ahnung von der zwitschernden Vielfalt, die in greifbarer Zeit zu erwarten ist.

Kurviger Lauf des Nonnenfließes

Ein weitgehend monochromer Wintertag mit flächiger Schneedecke kann eine Landschaft unkenntlich machen. Ähnlich hoch ist jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass er eben durch die Farbarmut und die allgemeine Glättung des Landschaftsbildes ihre Konturen nachzieht, bestehende Kontraste erhöht und jeden noch so kleinen Farbpunkt fast symphonisch wirken lässt. So wie auch alte Schwarz-Weiß-Photographien immer wie gestochen erscheinen, stets noch etwas reicher an Details, und dazu anregen, sich in dieses eine Bild nur gründlich zu vertiefen.

Trampe

Bei welcher Landschaft sich der Schnee eher verallgemeinernd auswirkt und welche er detailversessen porträtiert, lässt sich im Vorhinein schwer einschätzen. In der Tat hatten wir jedoch mit der bei Trampe ziemliches Glück, entgegen der Befürchtung. Das Straßendorf mit dem Bäcker am einen und dem Fleischer am anderen Ende liegt auf der Mitte zwischen den beiden brandenburgischen Landschaftsjuwelen von Gamengrund und Nonnenfließ und hält in seinem direkten Hinterland einige Überraschungen bereit. Der Zutritt dazu erfolgt direkt hinter dem Schloss, das als solches kaum zu erkennen ist. Schlicht, funktional und schon länger frei von Zierrat steht es vor seinem kleinen Park-Zugang, drei Blumenkübel in Form riesiger Schraubenmuttern stützen diesen Eindruck. Das ist durchaus passend, denn ohne Überschwang übernimmt das Gebäude eine der wichtigsten Funktionen im ländlichen Raum. Die Kita Schlossgeister hat hier seit langem ihre Räume, und gemäß frisch aufgewärmten Plänen soll in absehbarer Zeit ein Mehrgenerationenhaus umgesetzt werden. Diese Kombination von Menschen grundverschiedenen Alters gibt es mittlerweile an vielen Orten, und der in viele Richtungen gegenseitige Nutzen liegt auf der Hand, so einfach wie genial.

Schlosspark Trampe

Gleich hinter dem großen Gebäude beginnt mit dem kleinen, doch liebenswerten Schlosspark eine der exklusivsten Auslaufflächen für Kinder, deren Ausdehnungen einen gekonnten Steinwurf kaum überragen, doch darin eine große landschaftliche Vielfalt sowie reiche Spiel- und Erlebnismöglichkeiten beherbergen. Eine junge Allee gleich vorne gibt es und eine eindrucksvolle alte hinten raus zum Wald, dann noch verschiedene Teiche und ein lebendiges Bächlein mittendurch. Dazu noch Wege breit und schmal und nicht zuletzt sogar eine waschechte Burgruine im Hosentaschenformat mit kleinem Rodelhang, beredtem Gemäuer und schilfgeschütztem Burggraben.

Burgruine Breydin im Schlosspark Trampe

Die Burg Breydin auf ihrem kleinen Wall ist von der Größe her also eher als Drei Zimmer/Küche/Bad einzustufen, wenn man noch ein wenig Platz für den Burghof annimmt. Neben einem steinernen Gipfelkreuz mit einem kurzen, guten Spruch auf dem Sockel stehen hier uralte Bäume, die kraftvoll vermitteln, wie lange das Mittelalter doch schon her sein muss. Eine lebendige Lindenruine gleicht einer riesigen Hand, die einen von oben hineingelegten Apfel erwartet oder aber beim erzählenden Gestikulieren betonen möchte, wie enorm und wirklich vorhanden etwas war. Ihr Stamm ist aufgesprengt, scheinbar von der eigenen Expansion mit all den baumesdicken Nebenästen, und sie einmal zu umfassen bedürfte es wohl neben allen Kindern auch noch der Erzieherarme.

Bunte Tupfer im schwarzweißen Schlosspark

Der zugefrorene Schlossteich ist bedeckt von kaum berührtem Schnee, vielleicht ein Daumenbreit. Unterm kleinen Uferhang steht ein Papa, zu seinen Füßen grätscht sein gut verpacktes Kind auf dem Eis und sammelt mit Handschuhen und Unterarmen zusammen, was der Schnee so hergibt. Der Papa grinst dazu und übermittelt Zuversicht. Langsam wächst ein winziges Schneemännlein in die Höhe, und als der Junge uns sieht, trompetet er uns begeistert entgegen, dass wir mal gucken sollen und dass er einen Schneemann baut. Dann sammelt er weiter Hand für Hand, lässt sie geduldig wachsen, die Figur. Wir werden das am Tagesende noch mal würdigen. Oben in den Bäumen sind überall Vogelhäuschen angebracht, die jeweils farbenfroh mit einem Bild des Mieters beschriftet sind. An diesem Tag besonders farbenfroh.

In der Tramper Heide

Um den Schlosspark zu verlassen, muss man noch der einladenden älteren Allee widerstehen und durch etwas Wald vorbei an zwei gehügelten Vorposten gehen, auf denen vielleicht noch eine Burg für den Hausmeister und eine für den Pförtner standen. Hinter dem Rand des Waldes öffnet sich dann eine ganz neue Landschaft, weit und sanft gewellt, mit dem Bewuchs, wie man ihn vielleicht von Weideflächen in sanften Bergregionen kennt. Hier und da mal ein einzelner Baum, dort etwas Heidestrupp oder ein Strauch, vereinzelt auch mal ein gewaltiger Hutebaum, der Vieh oder Hirten Schatten spenden soll.

Zugegebenermaßen ist von all dem fast nichts zu sehen, denn die Sicht mit interpretationsfreien Kanten reicht nur ca. 11 Meter weit. Alles dahinter ist Spekulation. Da meint man Bäumchen zu sehen mit filigranen Ästen, unten dann irgendwelche Optikfehler, die aber auch blattlos stehende Wiesenhalme sein könnten. Ganz hinten irgendwo das schemenhaft Dunkle ist vielleicht ein Wäldchen. Der Blick schweift durch die graue Suppe, der Hals schiebt den Kopf dabei etwas nach vorn in der Meinung, das Bild könnte dadurch an Schärfe und Detail gewinnen. Tut es nicht.

Sagenhafter Treck

In all dem geisterhaft Gestaltlosen bewegt sich noch weiter hinten eine ferne Karawane, die langsam näher kommt und an Kontur gewinnt. Alles passiert ein wenig langsamer als in der Wirklichkeit, trägt den Charakter einer Traumsequenz. Lange Beine und runde Hintern werden zu fünf Pferden, fast alle von unterschiedlicher Schulterhöhe und Färbung und jedes mit einer Reiterin auf dem Rücken. Das Kinn einer jeden von ihnen befindet sich in etwa auf selber Höhe, da auf dem größten Pferd mutig und hoch oben das kleinste Mädchen sitzt, entsprechend umgekehrt bildet ein Pony mit größerer Reiterin das Ende des einzigartigen Trecks. Keine von ihnen ist älter als vierzehn, dementsprechend mit Argusaugen fixiert uns die ausgewachsene Dame am Kopf des Zuges, bis sie uns schließlich scharf fokussieren und als harmlos einstufen kann. Um daraufhin erleichtert zu sein, ist sie viel zu souverän. So nimmt sie es lediglich mit Wohlwollen zur Kenntnis und schenkt uns stattdessen einen charmanten und geistreichen Satz im Vorbeigehen.

Dramatik des Liegens

So wie das kleine Ereignis Gestalt annahm, verschwindet es auch wieder im weißen Dunst. Wir schütteln kurz die Köpfe, fokussieren erneut in die weiße Landschaft und sehen vor uns eine Kreuzung aus fünf bis sechs Wegen, wo die Karte nur von dreien wusste. Und nehmen jetzt die volle Vielfalt dieser Landschaft wahr, die kleine Wälder hat und feuchte Schilfflächen, Bruchwaldstreifen und weite Heide, leicht bucklig wiegesagt. Einige Bäume wurden umgeweht und sind in theatralischer Geste zum Liegen gekommen, andere stehen in kleinen Gruppen beieinander, etwas geduckt und etwas heimlich, wie in der Raucherecke auf dem Schulhof.

Zusammenhanglos wachsen Ginsterbüsche weit entfernt voneinander, und besonders markant sind stets für sich stehende Kiefernbäume, die nichts gemein haben mit den klassischen hohen Stämmen im märkischen Wald. Ihre Kronen gleichen denen von gut gewachsenen Obstbäumen, und nach unten hin tragen sie alle einen Pony, der etwa zwei Meter Platz zum Boden lässt und sehr gleichmäßig gewachsen ist. Als würden gerne Bullis darunter parken oder besonders aufrecht stehende Kühe den lückenlosen Schattenwurf des dichten Nadelkleides genießen. Das Geheimnis bleibt bestehen, auch wenn der wissende Specht da im Wald vielleicht gerade die Antwort morst.

Frisierte Kiefern

Hinter einer wohlgewachsenen Eiche schlummert ein verfallendes Gebäude und bestätigt nun den Verdacht, dass diese Landschaft hier und ihr Charakter das Resultat einer langen militärischen Nutzung sein könnten. Das erklärt auch die kleinen Podeste mit Stufen und die tiefen, mittlerweile dicht begrünten Furchen im Wald, in denen sich gut etwas Größeres verbergen ließe. Alles Sicht- und Greifbare, das der Manöverbetrieb in fünf Jahrzehnten formte, sorgt nun für die besonderen Eigenschaften und Schönheiten dieser Landschaft, die nicht aussieht wie Dutzende andere, nicht wie die weiten und sandigen Erika-Heiden bei Templin zum Beispiel, Reicherskreuz oder Jüterbog. Einen entscheidenden Anteil daran hat der NABU, wie sich später ermitteln lässt.

Teich bei der Mühle, Tuchen

Tuchen-Klobbicke

Nach viel Staunen und Begeisterung, und das trotz der beschränkten Sicht, wendet sich der Weg schließlich nach Tuchen und lässt auch schon die ersten Häuser sehen. Eine Allee aus betagten Robinien mit tiefschartiger Rinde begleitet uns vorbei am Abzweig zur Froschmühle bis hinein ins Dorf. Tuchen-Klobbicke hat seine Ortsteile im Dreieck angeordnet, rund um einen kleinen Hausberg und den feuchten Grund des blutjungen Nonnenfließes. Die bewaldete Anhöhe ist von Pfaden durchzogen. Ein beruhigender Weg führt um sie herum, mit schönen Blicken auf das Dorf.

Am Tuchener Hausberg

In Tuchen selbst treffen wir an der Kirche auf den wohl großflächigsten Farbpunkt des Tages. Das Fachwerkkirchlein, das wirklich einmal abgerissen werden sollte, hat überlebt und wurde sorgfältig erneuert, strahlt jetzt in einem freundlichen Gelb. Überall im Dorf kommen Hunde an den Zaun gerannt, mit denen lange niemand mehr gesprochen hat. Erst am leicht entlegenen Dorfweiher kehrt wieder Ruhe ein. Hier gibt es nur ein Grundstück, und der am Gartenzaun versprochene Hund hat heute frei. Es sei ihm gegönnt. Noch vor dem Teich sind eindrucksvolle Reste der alten Mittelmühle zu sehen, bei denen das Nonnenfließ zum ersten Mal den Sprung nach unten probt, auch heute noch. Damit nach gut einem Kilometer Fließlänge dafür ausreichend Wasser bereitsteht, eilt ihm kurz vorher ein Rinnsal zu Hilfe, das noch kürzer ist, doch bereits beim Austritt aus dem Weiher ansehnliche kleine Schnellen zustandebringt.

Kirche in Tuchen

Rund um den Weiher stehen Bänke, so dass die Entscheidung schwer fällt. Die erste an der Straße hat einen Extra-Balken zum Abstellen der Füße, als ob von dort öfter winzige Drachenbootrennen angefeuert würden und man sich in der Euphorie des Anfeuerns gern nach vorn gewichtet. Die nächste ist stark zum See hin geneigt, so dass nach dem Hinsetzen ein sofortiges, auch unbeabsichtigtes Gleiten in den See wahrscheinlich ist. Ganz hinten gibt es einen Rastplatz mit Tisch, komfortabel und ohne Eigenheiten, und schließlich am anderen Ufer dann zwei sehr bequeme Bänke, von denen sich alle Vorgänge auf den ersten beiden gut beschauen lassen. Zwei Jungs, die das Vertrauen ihrer Eltern genießen, tasten sich mit ihrem Plasteschlitten Schritt für Schritt aufs Eis vor und kommentieren eifrig, was sie tun, auch was sie lassen sollten.

Gemäuer der einstigen Mühle, Tuchen

Nonnenfließ

Hinterm Friedhof erfolgt nun der Einstieg in die Landschaft des Nonnenfließes, die eine der ganz Besonderen ist im Land Brandenburg. Rechts und links des breiten Waldweges beginnt sie schon langsam sich aufzuschaukeln, um bald darauf ein vollwertiges Tal auszuformen. Zwischen den braunen Kiefernstämmen und dem weißen Waldboden stehen leuchtend kleine Buchen, die das Laub in ihrem ersten Winter sicherheitshalber noch dranbehalten haben.

Auch im Wald ein paar Farben

Neue Mühle

Bereits bei den Gebäuden der Neuen Mühle erheben sich zu beiden Seiten kleine Talflanken, die gut sind für Mountain-Biker und tollende Kinder, später auch für recht anständige Rodelbahnen mit Zwischenschwung. Das Nonnenfließ hat nach nur zwei Kilometern Länge das Laufen gelernt, holt noch mal Luft in der Ruhe eines Weihers und stürzt sich dann ins ausgelassene Spiel der Kurven.

Dammweg am Nonnenfließ

Ein kleiner Dammweg leitet trockenen Fußes durch eine Schilf- und Bruchlandschaft, die sich an dieser Stelle das Bachtal etwas breiter drückt. Die Bögen sind noch brav und der Bachgrund ist bedeckt von diesem kühlen, weichen Sand mit feinstem Kies dazwischen, in dem man fast schon Gold vermuten möchte. Noch einmal übernimmt ein breiter Weg, bevor schließlich die Pfade beginnen, die dem Ufer kaum noch von der Seite weichen wollen. Sie tun es nur, wenn es gar nicht anders geht oder die Mäanderschlingen so überschwänglich ausfallen, dass das glasklare Bächlein fast wieder Richtung Quelle fließt. Teils gibt es Pfade auf beiden Seiten, die Querungsmöglichkeiten von einem Ufer ans andere bleiben dabei zählbar.

Bruchsenke des Nonnenfließes

Am Übergang von der feuchten Talbreite zum verspielten Bachlauf sind die Zeichen der Biber nun deutlicher, zugleich wird der Wald immer mehr zum Urwald, wo alles liegenbleibt, was einmal stand und nicht mehr steht. Mal parallel und äußerst günstig für das Weiterkommen, mal kreuz und quer und folglich mit etwas Kletterei oder Anlass für den Forstwirt, auch die Säge kurz mal anzuschmeißen. Sehr gleichmäßig angelegte Hügel aus Zweigen und Ästen ließen bisher eher an Attrappen zum Verjuxen ansiedlungswilliger Biber denken, nach dem Motto: ist schon besetzt, such Dir selber dein Revier. Doch hier sieht es nun schon sehr nach echten Burgen aus, und mag man zu dem Biber stehen, wie man will, die Voraussetzungen dieses Tales schreien nach ihm.

Gedenkstein auf der Höhe mit wetterfester Bank

Oberhalb des Tales steht ein wuchtiger Gedenkstein mit einer Bank für die Ewigkeit und der seltsamen Aufschrift „Tschermak v. Kap-herr“, die trotzdem nicht neugierig macht. Wenig später besteht die Möglichkeit, ans rechte Ufer zu wechseln, wo nun dieser Pfad am Fließ beginnt, der oben schon Erwähnung fand, der ufertreue. Der weitere Weg in Richtung Norden verläuft auf solchen Pfaden, und er findet sein Ende erst am gern besuchten Zoo von Eberswalde.

Auf halbem Weg dorthin liegt noch der faszinierende Ort Spechthausen, der Industrieromantik ausstrahlt und eine ganz besondere Stimmung trägt. Noch vor einer greifbaren Zahl von Jahren wurde hier im tiefen Tal Papier geschöpft, was eher untypisch wirkt in dieser Gegend. Ebenso untypisch ist überhaupt der Name des Weilers, erinnert er doch eher an ferne, tiefe Wälder im Sachsenland. Damit steht er nicht allein, denn auch Begriffe wie Geschirr und Liesenkreuz, Zainhammer Mühle oder Schwärze würde man guten Gewissens dort in den Süden packen. Jene Schwärze übrigens ist ein Bach und holt das kleine Nonnenfließ eben in Spechthausen ab, begleitet es von da unter ihrem Mantel bis zum Wasser der Finow. Die wiederum reist im bequemen Bett ihres Kanals an, der dort nur wenig nach Kanal aussieht. Vielleicht hat er sich von der Kurvenfreudigkeit der kurzgereisten Bächlein etwas abgeguckt.

An der Steinernen Brücke

Wir werden nicht einmal bis dorthin kommen, doch selbst die jetzt folgenden paar Kilometer entlang des Nonnenfließes würden unmäßig viel Text und Schwärmerei erzeugen, wollte man dabei ins Detail gehen. Beides haben wir bereits vor Ort erzeugt und darum auch gleich dort gelassen, doch ein paar Stichpunkte seien gestattet. Der Bach gewinnt unterwegs an Breite und verliert sie wieder zwischendurch, er gönnt sich Pausen in Becken von der Größe eine Badewanne oder eines Swimming-Pools. Das Nonnenfließ räkelt sich so wohlig, dass es wohl auf die doppelte bis dreifache Länge kommt wie der Pfad nebenher, der vergleichsweise geradlinig der grundlegenden Fließrichtung folgt – Nord. Mal fließt es flach und kaum versenkt, dann wieder entlang dramatischer kleiner Steilhänge.

Mäander des Baches

Wer das Nonnenfließ und sein Tal aus grünen Jahreszeiten kennt, wird es so weiß und nackt und transparent kaum wiedererkennen. Zum großen Teil sind die lebhaften Wasser beruhigend vom Eis bedeckt, unter dem es leise gurgelt, bis die Wellen ein paar Windungen später wieder ans Licht drängen. Auch an den fließoffenen Stellen ist der Rand vom Eis gezackt und sorgt für eine lückenlose Schmuckborte, die man so noch nicht gesehen hat. Während oben in der Heide alles Weiß vom aufgewachten Wind schon wieder weggeblasen wurde, dürfte sich der Zauber hier unten noch ein paar Tage halten. Der Weg durch dieses hochromantische Tal mit seinem vielfältigen Baumbestand sollte im Schlenderschritt genossen werden, so die dringende Empfehlung.

Weg über dem Fließ

In einer Bachschlinge steht wie auf einer Halbinsel eine willkommene Rastbank, um den letzten heißen Tee zu trinken, den Schlender kurz zu unterbrechen, bevor es an den Aufstieg geht. Als einziger Farbpunkt im ganzen Tal fliegt ein Rotkehlchen dicht an uns heran, setzt sich jeweils kurz, gerade lang genug, um die leuchtend rote Brust noch wahrzunehmen. Bald kriecht die Kälte in die Jacke, wird es Zeit zum Weitergehen.

Ein dramatisches Nebental kurz vor einem Stein-Brücklein geht den Aufstieg sehr direkt an. Die Wasser, die hier einmal flossen, haben sich tief in den Boden eingegraben und eine eindrucksvolle Furche hinterlassen. Der Weg liegt voll Laub, und auch oben ist nicht klar zu erkennen, wo der Anschluss ist. Eine hochgewachsene Eiche voraus gibt etwas Hilfestellung, kurz dahinter ist der nächste klare Weg erreicht. Kreuz und quer folgen wir jetzt verschiedensten Kalibern von Wegen durch den Wald, kommen vorbei an einem weiteren Biberrevier und dem derzeit trockenen Brennengraben, der unsere Schritte zuletzt begleitet.

Im Walde

Hinter ein paar übrig gebliebenen Armee-Baracken endet abrupt der Wald, und vor uns liegt wieder die Landschaft vom Anfang des Tages, mit den weiten Wiesen, den Birkengruppen und den frisierten Kiefern. Das ist durchaus willkommen jetzt, denn die lange Passage im Winterwald war schön, doch die Dämmerung ist schon fortgeschritten und ein freier Blick im schwindenden Licht jetzt angenehm.

In der unverschneiten Tramper Heide

War diese Landschaft am Vormittage durch und durch noch weiß, ist jetzt rein gar nichts mehr davon übrig. Die stoppeligen Wiesen erstrecken sich in ihrem fahlen Wintergrün bis an den fernen Waldrand, nur in einigen Mulden der Maulwurfshügel hat etwas Schnee überdauert. Ein schütteres Asphaltband zieht sich mitten hindurch, wie eine verirrte und die Jahre gekommene Landebahn im Grünen. Hinter einem Bruchwaldstreifen lockt ein Wiesenweg, der im Sommer sicherlich von großer Blumenvielfalt umgeben ist. Jetzt mischt sich hier nur grün mit braun, doch ein Duft wie von aufgetauter Kräuterwiese liegt vor dem Wald und erinnert daran, dass andere Jahreszeiten auch ihre Reize haben. Am Waldrand weisen neben einem winzigen Robinienhain mit seinem typischen dunkelgrünen Teppich einige ausgeprägte Kopfweiden den Weg ins Dorf, zwischen ihren haushoch toupierten Köpfen ist der Tramper Kirchturm endlich zu erkennen.

In der unverschneiten Tramper Heide

Einmal schreiten wir die ganze Dorfeslänge ab, von Nord nach Süd. Trotz müder Beine und hängender Mägen schlagen wir noch den kurzen Bogen in den Schlosspark, um im letzten Licht zu sehen, wie der Schneemann nun geraten ist. Selbst wenn er kindeshoch geworden war, hat die Kälte des Eises nicht ausgereicht, das zu bewahren. Das Häuflein Schnee ist ungefähr genau so groß wie der Entwurf vom Anfang, den wir sahen. Doch wenn sein Schneemann-Leben auch nur kurz war, so war es doch von vorn bis hinten voll mit echter Kindesliebe.













Anfahrt ÖPNV (von Berlin): von Berlin-Ostkreuz Regionalbahn nach Werneuchen, dann weiter mit dem Bus (ca. 1,25 Std.)(nur Mo-Fr)

Anfahrt Pkw (von Berlin): B 158 bis Tiefensee, dann B 168 bis Trampe, einige Parkplätze am Bäcker

Länge der Tour: ca. 18 km (Abkürzungen möglich)(schwer erkennbaren Weg aus dem Fließtal bei Wegpunkt 25 vermeiden: noch 10 Min. weiter am Nonnenfließ, dann rechts auf den großen Weg abbiegen und nach 700 m an der Wegekreuzung rechts bis Wegpunkt 27)

Download der Wegpunkte
(mit rechter Maustaste anklicken/Speichern unter …)

Links:

NABU: Ehemaliger Truppenübungsplatz Trampe

Burg Breydin und Schlosspark Trampe

Aktuelles zum Schloss Trampe

Rundweg Nonnenfließ

Einkehr: keine Möglichkeit direkt am Weg

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